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IDEALISTISCHE BETRACHTUNGEN - ZUR ERKENNTNISTHEORIE,
ZUM MINISTERIUM FÜR INFORMATIONSBESCHAFFUNG
UND ZU DEM GANZEN SOZIOLOGISCHEN REST
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Der notMute-Artikel ist ein Kommentar zu:
Hans-Arthur Marsiske, Glocken als Feuerlöscher.
Artikel in TELEPOLIS www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31723/1.html
Heise Zeitschriften Verlag, Hannover


notMute Artikel



Das grosse Brennen
(Die Kunst, das Kapital um Einsicht zu bitten)

Klimawandel

Die Geschichte der gesellschaftlichen Neuzeit als exponentiell sich steigerndes Verbrennen alles Brennbaren, als Brand der Erdoberfläche, wird in H.-A. Mursiskes Artikel eindringlich ins Bild gesetzt. Hier ein Zitat daraus:
Das industrielle Brennen begann "zuerst an der Brennstoffquelle. Dort kamen die ersten Dampfmaschinen zum Einsatz [...] Kohle wurde verbrannt, um schneller Kohle zu fördern. Das war der Auftakt zu der bis heute anhaltenden und sich immer noch weiter beschleunigenden Symphonie der Maßlosigkeit.
[...] Jede einzelne Flamme in den ungezählten Fahrzeugmotoren, Kraftwerken oder Flugzeugtriebwerken brennt heute extrem kontrolliert. Störungen sind erstaunlich selten. Doch all diese Flammen zusammen bilden den gewaltigsten Flächenbrand, den die Erde je erlebt hat. In den vergangenen 350 Millionen Jahren, seit es genug Sauerstoff in der Erdatmosphäre gibt, um ein Feuer zu entfachen, hat unser Planet nicht so gebrannt wie jetzt.
Dieses Feuer hat niemand unter Kontrolle. Und keine noch so laute Alarmglocke kann es stoppen.
"

Mit der Alarmglocke im Artikel ist zum Beispiel die gerade stattfindende UN-Klimakonferenz COP15 in Kopenhagen gemeint, die allgemein als letzte Chance einer radikalen Wende vor der Menschheitskatastrophe angesehen wird.
Zu einer solchen Wende ist die gesellschaftliche Verfassung auf der Erde nun offensichtlich nicht in der Lage und die COP15 kann entsprechend nichts weiter sein, als ein Feigenblatt des guten Bemühens, um noch 10 oder 20 Jahre so weitermachen zu können, wie bisher.

Warum das so ist, wird im zitieren Artikel durchaus angerissen (was selten genug in Beiträgen zur Soziologie geschieht). Unter den hunderten Artikeln zum Klimawandel beziehe ich mich auf diesen, da er eine Unterscheidung erkenntnistheoretischer Kategorien vornimmt:
Das Ganze (die ohnmächtige Menschheit / das unkontrollierbare Verbrennen alles Brennbaren) ist etwas qualitativ anderes, als die Summe der einzelnen Akteure (gutwillige Organisationen oder Regierungen / genau kontrollierte Motoren etc.).
Der philosophische Begriff der verschiedenen Qualitätsstufen in den Erscheinungsformen der Welt ist leider zu sehr als "marxistisch" verteufelt, als dass noch gewagt wird, ihn zu denken.
Annähernd umschrieben wird das Thema heute mit einem Begriff wie Gruppendynamik.

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Wenn zwei durchtrainierte Männer im Altertum sich im Kolosseum bewaffnet anvisieren, schlägt die Qualität "zwei Menschen" um in die höhere Qualität "Gladiatorenkampf".
Zwei Menschen gegenüber kann man argumentieren, dass der Ruhm des Tötens eine zweifelhafte Sache ist, die man fahren lassen sollte - einem Gladiatorenkampf gegenüber kann man das nicht. (Spielen zwei das Spiel nicht mit, rücken andere nach. Der Gladiatorenkampf aber bleibt der Gladiatorenkampf solange die Gesellschaft mit ihren Spielregeln nicht untergeht.)

Ich glaube schon, dass ein Teil der Weltbevölkerung (wahrscheinlich der skrupelloseste Teil) das Menschheitsverbrechen der sauren, toten Weltmeere und die nötige Umsiedlung irgendwie überstehen wird. -- Aber nicht, weil der Kapitalismus reuig die Segel streicht oder irgend welche U.N.-Apelle an die Einsichtsfähigkeit der Konzerne fruchten. (Gemäss dem oben erläuterten Prinzip ist "Konzern" eine Qualität, die gar nicht einsichtig sein kann.) Irgendwann ist einfach der Punkt erreicht, wo mit dem Reduzieren der Zerstörung von Ressourcen und Umwelt mehr Geld zu verdienen ist, als mit der Aufrechterhaltung von deren Zerstörung. Das ist der ganze, banale Witz der Geschichte.
Die Menschheit in ihrer heutigen Verfassung ist nicht der Souverän. Sie kann als Ganzes nicht entscheiden und steuern – das wäre das chinesische Modell eines welthoheitlichen Zentralkomitees. Die Menschheit ist getrieben und ausgeliefert dem Spiel der einzelnen Akteure. Aus der Spieltheorie her und der mathematischen Beschreibung physikalischer Systeme ist bekannt, dass solche Systeme kippen können, sich selbst zum endgültigen Erliegen bringen können. Ab einem gewissen Grad der Komplexität ist eine Vorhersage dazu unmöglich.

Wieviele Hundertmillionen Menschen (der übernächsten Generation) auf dem Weg zu diesem Punkt ihr Leben verlieren - das interessiert heute höchstens die, die in Kopenhagens Strassen gerade verhaftet werden.
Exxon darf das nicht interessieren (wenn die Chance da ist, Gasprom auszustechen). Wer bremst, verliert.
Konzernen oder Investmentbanken den moralisierenden Vorwurf zu machen, sie verhielten sich wie Konzerne oder wie Spekulanten -- was für eine dumme Begriffsverwirrung.
Moral kann man einem Individuum zuweisen, nicht einem System (auch hier: Unterscheidung von philosophischen Qualitätsstufen). Wirtschaft ist Konkurrenzkampf um den Profit. Ein Konzern, der Rücksichten nimmt, steht einfach nicht zum Sinn seiner Existenz und wird vom Markt verschwinden.

Man stelle sich vor:
Der Planet Erde wird geplündert und verseucht bis nichts mehr geht.
-- Zum grössten Teil, pauschal gesagt, zu folgendem Zweck: um in St.Petersburg Mineralwasser aus Patagonien verkaufen zu können.
Ein einzelner Ozeanfrachter belastet die Umwelt auf seiner Fahrt in einem Umfang wie eine Stadt mit 60.000 Einwohnern.
Hunderte Millionen Menschen werden in den nächsten Jahrzehnten auf der Flucht sein - auf der Flucht aus unbewohnbar gemachten Regionen der Welt.
Bei solchen Zukunftsaussichten, hervorgerufen im wesentlichen durch Abgase, muss ein Staatsmann die Kraft haben, eine Richtung und eine Vision in die Gesellschaft zu pflanzen.
Die deutsche Bundeskanzlerin, Angela Merkel, tat das 2009 mit folgendem Aufruf:

FAHRT MEHR AUTO!
KAUFT AUTOS!  UND ZWAR IN RAUHEN MENGEN!

Mit der sogenannten "Abwrackprämie" (die Wortwahl suggeriert natürlich das Gegenteil dessen, was damit bezweckt ist) wurden Steuer-Milliarden genau jenen Industriebossen geschenkt, die für die Maxime stehen 'Wachstum geht vor Nachhaltigkeit', 'Konsum geht vor Vernunft' und 'Was geht uns der Klimawandel von morgen an'.
Das den Politikern und der Presse dabei abverlangte Masz an Demagogie besteht zum einen darin, solche Untat (zu der es unter dem Druck des anglo- amerikanischen Globalsystems gar keine Alternative gibt) als Wohltat hinzustellen.
Zum anderen besteht es darin, eine Souveränität zu suggerieren, Politik und Presse übten Macht und Kontrolle über das internationale Finanzkapital aus (was natürlich in keiner Weise möglich ist). Hut ab! Ich könnte das nicht.

Die ausserdemokratische Alternative, ein Welt-Napoleon /eine chinesische Welt-Kartellbehörde, die sagt 'Stopp. Folgende Lebensbereiche sind im Interesse der Erhaltung der Welt von einzelstaatlicher Souveränität und von der freien Marktwirtschaft ausgenommen und werden nicht verhandelt, sondern diktiert...' -- diese Alternative ist nicht umsetzbar bevor nicht die jetzigen Spielregeln der Welt, wie sie vom US-Kapitalismus vorgegeben werden, zusammengebrochen sind.

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Noch ernster als in der beschriebenen politischen Dimension sind die Zukunftsaussichten in der technologischen.
Was die Menschheit eigentlich ist: ein sog. 'Messie' in seiner Einraumwohnung, genannt Erde, der plötzlich feststellt, dass sein WC gar kein Abflussrohr hat (noch nie hatte) und der feststellt, dass sein Fenster sich nicht zum Lüften öffnen lässt.

Das Experiment Biosphäre 2 ist bekanntlich gescheitert. Eine globale Kreislaufwirtschaft, die nicht die Meere und die Atmosphäre als Müllhalde benutzt, ist kaum realisierbar.

Sauerstoff ist mit 21 % der Erdatmosphäre in solchen absoluten Mengen vorhanden, dass der relative Wert praktisch nicht veränderbar ist. Die Konzentration an Kohlendioxid in der Atmosphäre (z.Z. ca. 0,04 %) durch das Verbrennen alles Brennbaren aber wird im Konkurrenzkampf um Profit solange erhöht werden, bis der Londoner Finanzdistrikt im steigenden Weltmeer untergegangen ist.


Nachtrag:
Am letzten Tag des 13tägigen COP15-Weltklimagipfels in Kopenhagen reiste auch der US-Präsident an. (Die Anreise in letztmöglicher Stunde war, wie immer, ein Ausdruck der Verachtung gegenüber den Vereinten Nationen, die kein Recht hätten, den USA auf Augenhöhe zu begegnen.) Obama bekräftigte in einer kurzen Rede, die USA sähen keinen Sinn in einer eigenen Zielsetzung zur Reduktion von Abgas-Emissionen ("It doesn't make sense."), wenn sich für die USA nicht Kapital dabei herausschlagen liesse. (Kapital, das sich herausschlagen liesse, wäre z.B., China mit Überwachungseinrichtungen auf chinesischem Boden zu kontrollieren.)
Obama hätte im Klartext auch sagen können: Zahn um Zahn. Wirtschaft heisst für mich, ich führe Krieg. Und im Krieg ist die Umweltschonung nur in sofern interessant, als sie die Potenzen der Gegner messbar verändern könnte.

It doesn't make sense. - Es macht keinen Sinn, zu meinen, die eigenen Abgasmengen werden geringer, wenn man die der anderen (Chinas) überwacht.
Es macht keinen Sinn, als Gladiator in der Arena zu posieren und zu rufen 'Wer ist hier der Boss?', wenn das Kolosseum am Einstürzen ist.

Die Gipfelkonferenz der 119 Staats- und Regierungschefs der Welt war, nach einer 17 Jahre währenden Vorbereitung, gescheitert. Nicht nur das Ziel der Konferenz, eine verbindliche Vereinbarung mit in Zahlen ausgedrückten Maximal-Emissionen, kam nicht zustande. Auch ein unverbindlicher Ergebnisbericht, der diese Zahlen nicht nennt, wurde von den 193 Teilnehmerstaaten nicht anerkannt. Man einigte sich auf die Formulierung, dieser sei "zur Kenntnis genommen" worden.
Die TV-Nachrichten zeigten US-Präsident Obama, wie er in Siegerlaune seinen Gladiator-Verehrerinnen Autogramme gibt. Er hatte die Römischen Senatoren im Capitol zufriedengestellt.
Und dies ist das Zitat, das man in den kommenden Jahrhunderten vielleicht vom 21. Jahrhundert kennen wird:
Care about climate? – It doesn't make sense.  (B. Obama, 2009)


Obama's CleanPowerPlan - ActOnClimate (Nachtrag 2015-08)
www.smh.com.au/ -> The ocean is broken (Nachtrag 2013-10)
www.guardian.co.uk -> leaked documents (Nachtrag 2012-02)
Global Warming. Link Liste
www.g77.org/
www.g24.org/
www.bund.net/
www.heise.de/tp/ -> Energie&Klima-News
www.gmanews.tv/ -> Bernarditas de Castro-Muller
www.guardian.co.uk -> climate-change-talks-2009
www.climate-justice-action.org/

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