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IDEALISTISCHE BETRACHTUNGEN - ZUR ERKENNTNISTHEORIE,
ZUM MINISTERIUM FÜR INFORMATIONSBESCHAFFUNG
UND ZU DEM GANZEN SOZIOLOGISCHEN REST
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Der notMute-Artikel ist ein Kommentar zu:
Abendsendungen auf radioeins zum Nachhören im Internet,
rbb. Rundfunk Berlin-Brandenburg
www.radioeins.de


notMute Artikel



Nachdenken über die Zeit.
('Das wurde aber auch Zeit, Holger Luckas!')

Holger Luckas

Bevor ich meine Gratulation zum Radio-als- Dienst ausspreche, erst einmal ein Wort zum Wort 'Radio'.
Radio ist doch das coolste Wort seit Erfindung von Strom aus der Steckdose. Das Wort 'Internet' dagegen klingt nach Buchhaltung (und 'WWW' ist überhaupt kein Wort). -- RADIO!
Seit Dezember 2009 gibt es eine neue Form von Radio im Internet. Und das Format ist jetzt nicht (wie man kombinieren könnte) halb cool - halb Buchhaltung, sondern erstmals
MUSIC AS A SERVICE !
-- Das wurde aber auch Zeit, Holger Luckas!

Bis dahin hiess es bei Lust auf Musik im Radio doch immer nur:
Radio an. - Sender durchtasten. Nichts. - Radio aus.

Die Erleichterung brachte nicht das Radio als Live-Stream im Internet (das ist schliesslich schon seit der ersten Hälfte des Jahrzehnts verbreitet).
Geschafft hat es jetzt der Sender rbb (Rundfunk Berlin-Brandenburg), indem er die Musiksendungen der Abendstunden von radioeins als abrufbares 'RealAudio' im Internet vorhält.  (Link Freistil, Holger Luckas)
-- Meine Gratulation zur Eröffnung des Dienstes!

Wegen bestimmter Eigenheiten des RealPlayers war ich zunächst nicht bereit, diese Radio-Revolution gebührend zu würdigen: es brauchte mitunter 15 sec, bis der Slider eine neue Abspielposition im geladenen Cache fand.
Doch der Gebrauch belehrte mich: "Just do what the name 'slider' implies - don't click the target position, slide!" (Zumindest ist das auf dem Mac so.)
Besser als Adobe- oder Microsoft-Formate (die Slider und Cache gar nicht erst kennen), ist RealAudio allemal.

Zur Technik-Verehrung gehört unbedingt auch Irrationales:
96 kbit/sec vom Rechner per Lichtleiter zur "Anlage" schicken, auf 24/384 hochsampeln, bevor es analog zum Amp und auf die Highend-Audio- Monitore geht. – Ich höre damit auch andere Quellen (Lossless).

(Abschweifung über die Zeit: Musik als Kunstform ist sowohl alltäglich als auch ätherisch: Sie geht los. – Es verstreicht Zeit. – Sie ist zu Ende.
Eine Kathedrale als Kunstform ist dagegen nicht weg und vorbei, wenn man einmal unkonzentriert und für drei Minuten mit den Gedanken woanders war.)

- - - - -

Radio und Gesellschaft:
Hat in der heutigen Zeit noch jemand Lust auf Piratensender, Subversion und eine "Gegenöffentlichkeit" (wie sie nachts auf Radio 100-seelig strahlte)?
– Bitte, das waren doch auch nur Tricks des "Schweine-Systems" (wie man damals sagte), eine eindimensionale Welt zu stabilisieren. Heute wäre das irgendwie albern.

Was mir von John Peel in Erinnerung bleibt, ist neben der Musik mehr noch der Tonfall seiner (ziemlich schnell gesprochenen) Sätze, der sich immer auf die selbe Weise senkte, bevor der Titel losging. (Es ist die intensive Rückerinnerung, jung zu sein und wach mitten in der Nacht. – In der ersten Hälfte der 70er konnte man in Norddeutschland Peel's Radio1-Shows im BFBS, dem Radiosender der Britishen Besatzungstruppen, in's UKW-Radio bekommen.)
Was bleibt (und das ist meiner Meinung nach das Wesen von Musik), ist eher die Suche nach der verlorenen Zeit (Peel-Podcast = Flashback) als das Verlangen nach der Musik selbst. [1]


Nachtrag 2010-Sept:
Wo ich bisher auf der rbb-Webseite den Button "Letzte Sendung" klicken konnte, um diese zu starten, steht jetzt zu lesen:
Aus rechtlichen Gründen können wir Ihnen diese Sendung nicht mehr im Internet zum Nachhören anbieten.
Das wurde aber auch Zeit, Deutscher Rechtsstaat.
Radio. – Was für ein heisser Name. Für eine tote Sache.

Nachtrag 2012-05-01:
[1] Laut BBC startet heute eine Website mit der Auflistung der John Peel record collection. – Die Leerheit dieses Projektes ist eine Bestätigung meiner oben gemachten Feststellung zur Suche nach der verlorenen Zeit.
Ohne dem Geist Peel's und seiner Zeit folgen zu können, oder diese gar auferstehen lassen zu können, versuchen dort ein paar dumpfe Macher, sich mit "The Space" zu profilieren.
Lesenswert sind aber die Kommentare zur entsprechenden BBC Nachricht.





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