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IDEALISTISCHE BETRACHTUNGEN - ZUR ERKENNTNISTHEORIE,
ZUM MINISTERIUM FÜR INFORMATIONSBESCHAFFUNG
UND ZU DEM GANZEN SOZIOLOGISCHEN REST
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Der notMute-Artikel ist ein Kommentar zu:
"Moof, die Hundkuh,
Jef Raskin
and Dieter Rams"


notMute Artikel


 LABYRINTHE DER HÖRIGKEIT
1993-01-01 rückdatiert

Das Bessere wählen - oder besser nicht?

Macintosh

Sich, vor die Wahl gestellt, für das Bessere zu entscheiden, ist nicht immer üblich.
Nicht etwa, weil das Bessere zu schwierig zu erkennen wäre. – Ob bewusst oder unbewusst, mehrheitliches Verhalten drängt es, gegen bessere Kenntnis, hin zum Zweitklassigen (oder gar folgenreich-Falschen).
Im Politischen sind Konsequenzen aus solchem Gruppenversagen (z.B. Ermächtigungsgesetz, Ja zur Vorratsdatenspeicherung) heute bekannt.
Mein Artikel hat aber nicht die grosse Politik im Blick, sondern einen kleinen, persönlichen Aspekt: meine Anfänge mit dem Macintosh.

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Als 1992 für mich ein Audio-Verstärker auf der Einkaufsliste stand, wirkte der Fachhändler Wiesenhavern auf mich einladend. Mein Wunschverstärker stand dort im grosszügigen Studio zentral auf einer Stele aus poliertem Marmor (wow).
Nebenan konnte man den gleichen Verstärker zum selben Preis "von der Palette weg" erstehen. Ich sagte mir: warum nicht gehobene Verkaufskultur, war damit aber anscheinend bei der Minderheit. Wiesenhavern gab wenig später das Geschäft auf. – Es zählt beim Verkaufserfolg nicht nur der Preis, sondern mehr noch der Eindruck "billig", die massenhafte Überzeugung: Das Zweitbeste / das Ordinäre ist die bessere Wahl.

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1993 war es ausserdem an der Zeit, sich das Arbeiten am Computer anzugewöhnen (vom WWW war noch nicht die Rede).
Meine Wahl zwischen Massen-Trend oder Ideal (zwischen PC oder Mac) fiel auch hier zugunsten des Letzteren aus.
Ich hatte zuvor als Schlüsselerlebnis ein am Mac gestaltetes Heft erworben (überformatig und mit 40.- DM auch teuer): Emigre (The Book) - 10 years of Graphic Design. Es war das Urbuch (VanderLans/Licko) aus der Urzeit des digitalen Gestaltens, und zugleich ein hoher Maszstab.

emigre

Zur Wahl stand also beim Weg in das digitale Arbeiten:
a) die eigenen Projekte an einem (mich damals begeisternden) Beispiel für Innovation und Design, an einem Mac, zu versuchen, oder
b) an dessen uninspirierter (und daher wahrscheinlich nicht-inspirierender) Kopie.

Beim KOPIEREN VON IDEEN ist man bei einem zentralen Begriff zur Bewertung von schöpferischem Arbeiten.
Alle Innovation und alle Kunst ist irgendwo 'geklaut' [1]. Die Frage ist, wie und wo der Ideenklau geschieht.

Der Klassiker des strengen Blicks auf Apple Inc. in dieser Frage ist zum einen die legendäre Offenbarung, die Raskin, Atkinson und Jobs in Xerox PARC erfuhren (1979, erste graphische Oberfläche eines Betriebssystems).
Zum anderen die Anlehnung des Apple Designers Jonathan Ive an das Rams-Design.
Wo liegt der Unterschied zwischen diesem Klauen und der Nachahmung, die Microsoft mit lästiger Anhänglichkeit bei Mac OS - Windows vollführt?

Der Unterschied liegt im Geist, der beim Kopieren von Ideen entweder von-gleich-zu-gleich weitergeführt wird – oder aber auf der Strecke bleibt.
Für diesen Unterschied haben manche eine Antenne - manche nicht.
Kunst ist, das Richtige zu klauen - auf die richtige Weise.

Mac OS 1
Das Mac-System 1.0 von 1984 auf einer 512K-Diskette

Inzwischen hat sich meine Faszination für den Macintosh (nachdem sie einmal wichtiger als Freundschaften war) dahin verändert, nur noch eine rückwärtsgewandte zu sein.
Damals, in der zweiten Hälfte der 90er, war es ein fast existenzielles Verzweifeln, warum das Mac-like-Denken ("Das Einfache ist das Bessere") so offenkundig verloren hatte (in Deutschland war der Anteil der Mac-User am Computermarkt auf 2 Prozent gesunken).
Heute wäre mir das Unterlegen-sein einer Idee egal, wenn diese für mich selbst funktioniert. – Das Boot-Geräusch des Macintosh LC II, Mac System 7 von 1993 bleibt in der Erinnerung erhalten, wie der Glaube an das Bessere.

Die Illustration (ganz oben) zeigt Moof, die legendäre Hundekuh, entworfen 1984 von Susan Kare bei Apple Corp., die damals die Print-Befehle am Mac begleitet hatte (die Hundekuh, nicht S. Kare).

design
Das legendäre Braun Design der 50er und 60er Jahre, Dieter Rams


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[1] Der Link zu Kirby Ferguson ist ein Nachtrag 2012




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hashsign.eu  –  erkenntnistheorie
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