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IDEALISTISCHE BETRACHTUNGEN - ZUR ERKENNTNISTHEORIE,
ZUM MINISTERIUM FÜR INFORMATIONSBESCHAFFUNG
UND ZU DEM GANZEN SOZIOLOGISCHEN REST
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Ein Kommentar zu:
Meine Abschlussarbeit im Lehrgebiet
"Wissenschaftliche Weltanschauung"
zu meinem Ingenieur-Diplom
notMute Artikel

 LABYRINTHE DER HÖRIGKEIT
1980-10-01 rückdatiert

Karl Marx war kein Marxist

Karl Marx

Als Student (1976 bis 1981 an der Hochschule für Architektur und Bauwesen Weimar) hatte ich einmal eine Seminararbeit zu schreiben zu
Karl Marx, Kritik des Gothaer Programms (1875).
Unter die von mir abgelieferte (einigermassen ddr-linientreue) Arbeit schrieb ich einen kleinen Zusatzkommentar:

"Sofern die Kritik des Gothaer Programms sich an stilistischen Unschönheiten hochzieht, halte ich sie für kleinlich und übellaunig."

Was haben die beiden Professoren sich gefreut! –
Sie gratulierten sich zu diesem pädagogischen Erfolg: "Unsere jungen Menschen! Wie gehen sie doch frisch und kritisch und dialektisch mit der Marx'schen Lehre um."
– Ihr Marx-Verderber, war meine Überlegung, das Marx'sche Denken ist nicht eure Lehre. Euch serviere ich eine Arbeit zur Hauptprüfung, dass euch das selbstgefällige Lachen vergeht... (Was nicht heisst, ich hielte Marx für überholt. Ich wünschte nach wie vor, heutige Analysten von Gesellschaft und Kapital würden deren Unausweichlichkeiten nicht ganz so schamlos –an Marx vorbei– vernebeln können.)

Als Thema meiner Abschlussarbeit wählte ich "Die Rolle der Partei DIE GRÜNEN im bundesdeutschen Parteiensystem".

Heute kann man die Folgen dessen nicht plausibel machen, aber für einen Studenten in Ostdeutschland war es mehr als nur abschlussgefährdend, sich quasi in's Abseits zu stellen - mit einem Thema, dass um den Sozialismus der DDR einen Bogen machte.
Vorrangig ging es mir bei der Themenwahl gar nicht um Provokation.
Ich hatte vor allem keine Neigung, 14 Tage Arbeit in ein Thema zu investieren, dass mich nicht weiterbildete.

Es gab sehr aktuelle Literatur zu den Grünen (von westdeutschen Links-Verlagen, Pahl-Rugenstein etc., SED-finanziert) in der Leipziger Universitätsbuchhandlung zu kaufen.
Grundtendenz meiner Abschlussarbeit war es (aus heutiger Sicht), meine jugendlichen politischen Illusionen in das Wesen der neuen Partei hineinzuinterpretieren. (Was Joseph Fischer eigentlich für ein Mit-Verlaub-Arschloch und späterer Kriegsminister war, konnte man damals im Osten nicht wissen.) [1]

*  *  *

Meine Abschlussnote in diesem Lehrfach war "gerade noch genügend" (deutsche Professoren sind halt Obrigkeitsvollstrecker) - eine berufliche Entwicklung in anspruchsvollen Bereichen war ausgeschlossen.
Was meine Zukunft betraf, war ich unter den gegebenen Umständen orientierungslos. Eine staatsdienende oder gar staatstragende Tätigkeit hatte ich nicht im Sinn. Da konnte mir die Abschlussnote in Weltanschauung wohl egal sein.

Sept. 2009

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[1] Nachtrag 2019:
Heute würde ich Joseph Fischer dem Jesus-Christus-Syndrom zuordnen - als jemand, der von Beginn an an der Legende der eigenen Person strickt, der Indizien persönlicher Fehlbarkeit systematisch beseitigen lässt. Jemand, der mittels eines billigen Belohnungssystems (es besteht nur aus Worten, aus Lob und Mißbilligung) andere für sich arbeiten lässt (die "Jünger"). Jemand, der es am Ende schafft, mit demagogischem Hokuspokus ein ganzes Weltsystem innerlich auszuhölen und zum Funktionsversagen zu bringen (Imperium Romanum bzw. Europa).

Ziemlich präzise Gründe zur Ablehnung Joseph Fischer's führt Michael Klonovsky an, allerdings fast 40 Jahre nach meinem Irrtum, in acta diurna 2018-03-06:

"Nachdem die Grünen als die von nahezu allen Medien, Kirchen, Kulturbetriebsnudeln und vorpolitischen Organisationen in ihrer Mentalitätsherrschaft am meisten hofierte Partei jahrzehntelang nichts anderes getan haben, als den Westen zu diskreditieren, seine sittlichen, wirtschaftlichen, militärischen und technologischen Grundlagen zu zerstören, seine Geschichte zu rufmorden und den westlichen Mann der moralischen Erpressung aller anderen auszuliefern, schreibt der "gemütsvergammelte" (Eckard Henscheid) Obergrüne Joseph Fischer ein Buch namens "Das Ende des Westens", in welchem er letztlich seine geopolitische Unbehaustheit in Ermangelung eines wärmenden amerikanischen Rektums beklagt. ›› Hadmut Danisch hat dazu das Nötige gesagt; dann kann ich es mir ersparen."

Zu den Grünen allgemein in acta diurna 2017-12-02:

"Überhaupt empfiehlt sich für alle, die derzeit publizistisch auf die AfD eindreschen, ein Blick zurück auf die Geschichte von Deutschlands bedeutendster Moralpartei. 1985, fünf Jahre nach der Gründung der Grünen, bescheinigte der Verfassungsschutz einem Drittel der Bundestagsabgeordneten und der Hälfte des Bundesvorstands eine linksextreme Vergangenheit. Otto Schily äußerte einmal, er hatte den Eindruck, sich auf einem Parteitag der KPD und nicht der Grünen zu befinden. Aus den Reihen der Grünen gab es offene Sympathien für Mao Tse-tung, für Pol Pot, für die RAF, für die 'politischen Gefangenen' Christian Klar und Brigitte Mohnhaupt (so Antje Vollmer und Christa Nickels am 30. Januar 1985 in einem Brief an ebenjene); es gab Blut-und-Boden-Grüne, Esoteriker aller Coleur, von den zahllosen Päderasten zu schweigen, die sich im grünen Filz einnisteten, weil sie sich von dort politische Maßnahmen zur Erleichterung ihrer Triebabfuhr erhofften. Was für ein grotesker, was für ein widerlicher Haufen! Es ist übrigens das Milieu, dem ein Wolfgang Gedeon entstammt – und das Gros der älteren sozialistischen Medienschaffenden dieser Republik."

Sowie zum Wesen der Grünen (Egozentrismus, Schmarotzertum und Schädigungsabsicht) in acta diurna 2020-03-23: