(ehem.)www.arch.udk-berlin.de    Retrospektive

Semesterprojekte

Themenarchiv der Projekt- und Diplomarbeiten

Semester:
Sommersemester

Student:
Kölke, Manuela

Studienphase:
Projekt im Hauptstudium

Professor / Lehrbeauftr.:
Prof. Günter Zamp Kelp

Assistent / Wissensch. Mitarb.:
Julia Lienemeyer

Themengebiet:
Städtebau

Andere Projekte auswählen

 

 

 

Weiterempfehlen

  • 2004. Student: Kölke, Manuela
  • Projekt im Hauptstudium
  • Prof. Günter Zamp Kelp
  • Städtebau
Semesterprojekt Architektur
Semesterprojekt Architektur 2b

Semesterprojekt Architektur 3b

Semesterprojekt Architektur 4b

Semesterprojekt Architektur 5b

Semesterprojekt Architektur 6b

Semesterprojekt Architektur 7b

Semesterprojekt Architektur 8b

Semesterprojekt Architektur 9b

Semesterprojekt Architektur 10b

Semesterprojekt Architektur 11b

Semesterprojekt Architektur 12b

Wien - Odessa

Communicating Czernovitz.
››  Communicating Czernowitz (PDF, 3MB)

Identität und Mythos Czernovitz`
Mit der Stadt Czernovitz verbindet man heute vor allem deren kulturelle Blütezeit unter der Zugehörigkeit zur K- u.-K Dynastie um 1900.
Als Knotenpunkt von Westeuropa zum Schwarzen Meer, vom Orient nach Russland
erreichte Czernovitz nicht nur wirtschaftliche, sondern auch kulturelle Bedeutung.
Durch die Investitionen und die strategische Bedeutung im Habsburger Reich versammelten sich eine Vielzahl an Nationalitäten und Religionen, die das Stadtbild architektonisch und gesellschaftlich prägten. Aber erst die Entstehung eines mehrheitlich deutschsprachigen Bildungsbürgertums und dessen ständiger Austausch und Kontakt mit Westeuropa waren die Vorraussetzungen für die kulturelle Etablierung Czernovitz` mit literarischen Größen wie Paul Celan und Rose Ausländer.

Erster Weltkrieg, Rumänische Besetzung, Zweiter Weltkrieg, die Vertreibung der Juden - und Heute?
Die Vergangenheit wird mystifiziert. Nach einem halben Jahrhundert unter sowjetischer Herrschaft findet man Czernovitz nicht mehr auf der Landkarte Europas. Die Ukraine erst 10 Jahre nach ihrer Gründung ist zerissen. Im Gegensatz zum Osten, hat der Westen der Ukraine der sowjetischen Prägung eine europäische Vergangenheit entgegenzusetzen. Der „Mythos Czernovitz“ steht damit nicht nur für ein nostalgisches Sehnen nach wirtschaftlicher und politischer Stabilisierung, sondern auch nach internationaler Orientierung.

Als Modell des polyethnischen Zusammenlebens besitzt der „Mythos Czernovitz“ für die Gemeinschaft Europas Beispielcharakter. Vielleicht ist so das steigende Interesse zu begründen, das sich in einem nicht ohne Komplikationen wachsenden Europa artikuliert.


Bestandsaufnahme und Vision
Eine Perspektive für Czernovitz liegt in der Aktivierung des kulturellen Austauschs als konstruktive Alternative zur Abwanderung der Bildungselite.
Mit einem kulturellen Netzwerk soll auf internationaler Ebene Aufmerksamkeit und Interesse geweckt werden. Eine Debatte um den „Mythos Czernovitz“ markiert voraussichtlich den Ausgangspunkt für eine Sommerakademie, an die sich weitere Projekte anschließen. Etablierte Forschungsinstitute und Bildungseinrichtungen sollen sich in Czernovitz niederlassen und damit die Vorraussetzungen bilden für eine politische und ökonomische Stabilisierung der Region.
Damit Czernovitz als funktionierende soziale Gemeinschaft wieder in das internationale Gedächtnis zurückfindet, muß sich die Stadt auch mit dem Fremden, dem Überregionalen und Internationalen auseinandersetzen.
Nur mit einer Meinung und einer Haltung gegenüber der Welt kann es auf Antwort hoffen.
Dazu müssen in der Stadt ein größeres Angebot an Information aus aller Welt und genügend Reibungspunkte zu deren Aufnahme geschaffen werden.

„Zur Zeit existieren 5 grosse Czernowitzer Zeitungen
Czernowitz - www.chv.ua
Die Zeit 2000 - www.2000.cv.ua
Junger Bukowiener - www.molbuk.cv.ua
Epoche - http://www.doba.cv.ua
und noch einige kleine.
Wir lesen Zeitungen gern. Ich, z.B., lese gern Internet-Zeitungen.
Es gibt Verlage und Drukereien in Czernowitz. Wie viele Sender wir hören können, hängt von der Radioapparatur, die man zu Hause hat, ab. Es gibt ungefähr 4 Sender direkt aus Czernowitz. Ich höre mehr Radio, als ich fernsehe. Durchschnittlich gibt es 7-8 Fernsehsender (falls man keine Distanzantenne hat). Czernowitz hat 2 oder 3 Fernsehsender. Es gibt keine Sender aus Lemberg oder aus andere Städte, nur aus Kiew. Ich habe Internet zu Hause. Wir haben auch Internet in der Universität, aber dort ist die Geschwindigkeit sehr schlecht, und es gibt wenig Computer. Deshalb müssen die Studenten oft ins Internetcafe gehen.”

Inga Demjanchuk, Czernowitz, 03.05.2004

Offensichtlich besteht auch ein großes Interesse an der Auseinandersetzung, nicht nur im universitären Rahmen. Die meisten Informationen werden über die unidirektionale Medien wie den Fernseher und das Radio direkt zu Hause rezipiert.
Diesen Heim-verorteten Medien stehen öffentlich-verortete Medien, wie Kino, Plakate, Theater und gänzlich ortlose Medien wie Zeitungen oder den Neuen Medien wie das Internet gegenüber.
Eine öffentliche Auseinandersetzung mit Informationen kann nur direkt von Person zu Person, bidirektional über das Telefon oder Fax, oder im Idealfall als veröffentlichte Reaktion in den genannten Medien geschehen.


Szenario Austriaplatz
Wie auch in anderen Ländern als der Ukraine besteht bei einem großen Angebot an Informationen mit der Zeit das Problem der Reizüberflutung, der Überforderung
angesichts dem Versuch einer strukturierten Verarbeitung.
Durch ein kompaktes Angebot von Information, Diskussion, Interpretation, Präsentation und Kritik soll den Czernovitzern die Möglichkeit gegeben werden sich auf verschiedenste Weise zu artikulieren.
Dies geschieht dort, wo Menschen aufeinandertreffen, sich austauschen oder sozial organisiert sind.

In Zusammenarbeit privat-wirtschaftlichen Unternehmen, Vereinen oder universitären Institutionen können Medien, deren Rezeption vorwiegend im öffentlichen Raum stattfindet, produziert und präsentiert werden.
Das beinhaltet u.a. Zeitungen und Plakate, Veranstaltungen, Filme und Konzerte. Mit den schnellen und langsamen, akustischen und visuellen Medien kann auf die städtische Atmosphäre Einfluß genommen werden.
Für die Etablierung einer Art von Informationskultur, die von Menschen geschaffen, wahrgenommen und dikutiert wird, besitzt der Austriaplatz als Teil eines Netzwerkes wichtige Voraussetzungen.
Zur Zeit versammeln sich auf dem Austriaplatz, der aus vier Freiflächen besteht, staatliche, religiöse und wissenschaftliche Funktionen. Hinzu kommen temporäre Nutzungen für Veranstaltungen wie Tänze, Feste, Konzerte, Umzüge u.ä. Der ehemalige Heumarkt ist belebt.
Öffentliches Aufeinandertreffen beschränkt sich meist auf das Warten an Bushaltestellen, Einkäufe, Kirchengänge, Besuche am Imbiss und das Gespräche unter Freunden. Man beobachtet und wird beobachtet.
Die Freiräume des Austriaplatzes werden in die Präsentationen mit eingebunden und bieten damit mehr Fläche zur Rezeption. Große versenkbare Tribünen sind im Platz integriert und können temporär aufgebaut werden. Bei Sportveranstaltungen, Open-Air-Events , als auch Vorführungen auf den Bühne oder dem Screen des Komplexes können die Czernovitzer dabei sein.
Die Aufenthaltsqualität wird dadurcherheblich verbessert. Eine solche Landschaft in der Stadt kann begriffen werden als Kulisse für Handlungsräume mit kultureller Ausrichtung vielfältigster Art.


Platzgestaltung
Die momentane Verkehrssituation des Austriaplatzes wird durch den Zusammenschluß der oberen Platzstücke beruhigt. Dies steht in Korrespondenz zur geplanten Beruhigung des Rathausplatzes. Der öffentliche Vekehr wird am Gefängnis vorbei geführt. Durch die Lage der neuen Bushaltestelle hinter dem Kulturforum ergibt sich starker Fußgängerstrom in Richtung Platzfreifläche.
Die Konzeption des Gebäudes macht sich diese Konstellation zu Nutze um die Bevölkerung durch das offen gestaltete Erdgeschoß hindurchzuführen.
Das Gefälle des Platzes von 2m gleitet über Rampen durch das Gebäude hindurch.
Derzeit verlagert sich nachts das Leben zum Theaterplatz hin, weil die Aufenthaltsqualität unter unangenehmen Licht und der großen Dimension der Betonflächen leidet und damit einen Mangel an städtischer Atmosphäre aufweist.
Die beidseitige Ausrichtung und Bespielung des Auditoriums im Kulturforum ermöglicht die Nutzung des großen Schaufensters als Bühne mit dem Innenraum des Auditoriums als Kulisse oder als Kino über einer vorgespannte Leinwand.
Mit im Boden des Platzes verstaubaren Tribünen wird mehreren Menschen die Möglichkeit geboten am öffentlichen Leben und Veranstaltungen teilzunehmen.
Autokino, Sport- oder Tanzveranstaltungen können mit oder ohne Tribünen dem unterschiedlichen Zuschaueraufkommen angepasst werden.
Gerade die Variabilität der Platzgestaltung konfrontiert die Czernovitzer mit der Möglichkeit der aktiven Partizipation im Stadtraum nicht nur formal, sondern auch durch die im Kulturforum selbstgeschaffenen Inhalte.
Was gezeigt wird, haben die Czernovitzer selbst zu verantworten.

top