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Semesterprojekte

Themenarchiv der Projekt- und Diplomarbeiten

Semester:
Sommersemester

Student:
Fritzsche, Klaus-Tilman
Glöckner, Susann
L üder, Ines
Schlecht, Jan

Studienphase:
Projekt im Hauptstudium

Professor / Lehrbeauftr.:
Prof. Alfred Grazioli

Assistent / Wissensch. Mitarb.:
Uta Graff

Themengebiet:
Öffentliche Gebäude

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  • 2003. Studenten:
    Fritzsche, Klaus-Tilman • Glöckner, Susann • L üder, Ines • Schlecht, Jan
  • Projekt im Hauptstudium
  • Prof. Alfred Grazioli
  • Öffentliche Gebäude

Die Grundschule der Zukunft

Lern(t)räume – eine Wettbewerbsbeteiligung


Die Aufgabe ist als Wettbewerb einer Möbelfabrik an deutschen Hochschulen und Universitäten ausgelobt worden mit dem Ziel, für das Thema "Grundschule der Zukunft" anhand exemplarischer Raumprogramme räumliche Ideen zu entwickeln.

In der Auseinandersetzung mit unterschiedlichen pädagogischen Konzepten entwickeln die Entwürfe differenzierte Vorstellungen und räumliche Konzepte des Themas Grundschule.
Der Gedanke, Schulen von innen nach außen zu entwickeln, Nutzungs- und Raumkonzepte zu erarbeiten, Atmosphären zu schaffen spielt für die Konzeption der Grundschule eine ebenso entscheidende Rolle wie die dialogische Auseinandersetzung mit dem Ort, für den sie gedacht ist.

Der Ort, ein beschauliches, innerstädtisches Grundstück liegt in Eichstätt, einer fürstbischöflichen Residenzstadt auf mittelalterlichem Grundriss, deren heutiges Erscheinungsbild vom Barock geprägt ist.

Die Schule als ein Haus der Stadt zu betrachten, sie inhaltlich und räumlich mit dem städtischen Kontext zu vernetzen ist Ziel der Aufgabe.

1. Preis. Susann Glöckner – Turmschule in Eichstätt

 

Die Schule als Turm soll die Stellung der Schulbildung in der Gesellschaft markieren. Der Turm ist ein bedeutendes Gebäude in der Stadt. Für die Grundschüler ist der spielerische Inhalt des Gebäudes entscheidend.

Städtebaulich greift der Entwurf auf die alten barocken Strukturen Eichstätts zurück, vor allem auf die Lage und Funktion von Gebäuden und Mauern. Das Haus an der Mauer ist Schnittstelle zwischen privatem Garten und öffentlichen Weg.
Das Grundstück der Turmschule ist ebenso in einen privaten Schulgarten und einen öffentlichen Bereich geteilt. Eine Mauer umgibt den Garten. Mit den anderen zugefügten Mauern bildet sie einen kleinen öffentlichen Platz. Die Schule schließt direkt an diesen Platz an und ergänzt die Mauer als Umfriedung des Gartens.




Die Räume des Schulturms fädeln sich spiralförmig entlang der Gebäudeecken auf. Das Prinzip erinnert an ein Spiel mit Bausteinen (dazu Modell 1_200). Lufträume in denen sich die Haupterschließungstreppen befinden, rotieren um einen festen Kern mit Fluchttreppe, Toilettenanlagen und Fahrstuhl. Pro Ebene gibt es zwei Klassenräume, jeweils mit anschließenden kleineren Gruppenräumen und zwei Lufträumen, einer nach oben, der andere nach unten offen.
Mobile Trennwände ermöglichen einen Zusammenschluss von Klassen- und Gruppenraum. Klassenübergreifendes Arbeiten wird durch Anschluss des zweiten Klassenraums bzw. des Gemeinschaftsraums erreicht. In der Turmschule ist offener und geschlossener Unterricht möglich. Gruppenraum und Klassenraum sind entweder geschlossene Räume für Einzel- oder Gruppenunterricht oder öffnen sich zu einem größeren Raum.
Das Prinzip des offenen Unterrichts lehnt sich an das Montessori-Prinzip an. Die Schüler sind nicht nach Klassenstufen getrennt, sondern arbeiten zusammen. So profitiert ein Schüler im ersten Schuljahr von den Kenntnissen eines älteren Schülers.
Die Lufträume sind nicht nur Erschließungsflächen, sondern auch Unterrichts- und Pausenraum. Sie verbinden die Ebenen miteinander, so dass der ganze Turm zu einem fließenden Unterrichtsraum wird.

 

Ankauf. Jan Schlecht

Klaus-Tilman Fritzsche

Schichtung  

Das zentrale Leitmotiv im Entwurf leitet sich aus der vorgefundenen Tiefenstaffelung der Grundstücke ab. Das Verhältnis zwischen Vorn und Hinten und einem Dazwischen wird durch das Querstellen der Schule beantwortet.
Der Dialog mit dem Vorhandenen drückt sich vor allem in der Fassadengestaltung aus. Während die Südfassade massiver und geschlossener auf die Rückfassade des Waisenhauses antwortet, wird auf der Nordfassade wesentlich mehr Glas verwendet, um dem Gartenpavillon nicht zu viel Masse gegenüberzustellen.
Die Introvertiertheit der Räume im Inneren wird durch die Tiefenstaffelung der Fassade abgebildet.



Die Schule ist gerade für Kinder und Jugendliche nicht nur Bildungsstätte im Sinne von Frontalunterricht und uniformierten Lernritualen. Vielmehr wird sie mehr und mehr als prägender Lebens- und Erfahrungsraum für die individuellen Schülerbiografien wahrgenommen.
Dabei spielt die Identifikation mit dem sozialen und räumlichen Umfeld eine wesentliche Rolle; ein Spannungsfeld, in dem Gemeinschaft und Individualismus gefördert und ertragen werden will.

Für das pädagogische Konzept ist das zentrale Leitmotiv die Zugehörigkeit zu einer Klasse, als soziale Einheit, von der aus auch die Identifikation mit der Schule erwächst. Jede Klasse hat einen großen Raum, das Klassenzimmer, in dem die Schüler zuhause sind.
Die feste Bindung jedes einzelnen Schülers an die Klasse widerspricht bewusst einer allzu offenen Gruppenbildung. Die Zusammensetzung einer Klasse wird dabei allerdings viel freier gestaltet als in reinen Jahrgangsklassen.
Alle Klassenzimmer werden von dem Ausblick in den Garten dominiert. Durch die großen Fenster kann das diffuse Nordlicht den Raum gleichmäßig ausleuchten und der Blick wird nicht zu stark fokussiert. Die gegenüberliegende Wand ist wie ein großer Schrank ausgebildet.


KG/ 1.OG/ 2.OG  -  Grundriss EG




Den Klassenräumen stehen Bereiche für das Individuelle gegenüber. Kleine Kabinette, Leseplätze, Spielräume ermöglichen Rückzug, eigenes Ausprobieren und Entspannen.
Diese Bereiche sind vielschichtiger und ausdifferenzierter als die Klassenzimmer. Die zwischen Erschließung und dem eigentlichen Raum geschalteten Pufferzonen vermitteln mit ihrer Holzverkleidung Intimität und bietet Rückzugsmöglichkeiten.

Die über die Klasse hinausreichenden Gemeinschaftsräume sind bewusst begrenzt und umfassen eine Mensa und einen großen Sportraum. Diese öffentlichen Bereiche sind direkt von Außen zugänglich

Das Schulhaus soll durch Maßstab und Struktur ein Identifizieren mit dem sozialen und räumlichen Umfeld ermöglichen.

 
 

Ines L üder
Schule der Zukunft – Öffnung nach Innen und Außen

 

Die Schule der Zukunft ist nicht mehr nur Lernraum, sondern vielmehr auch prägender Lebens- und Erfahrungsraum. Mit verschiedenen pädagogischen Konzepten wird versucht, der Verantwortung von Schule als Sozialisationsraum gerecht zu werden.
Mein Entwurf für eine Grundschule in Eichstätt versucht der programmatischen Richtungsweisung "Öffnung von Schule nach Innen und Außen" eine räumliche Entsprechung zu geben.

Öffnung nach Innen meint die Fokussierung auf das einzelne Kind mit seinen individuellen Fähigkeiten, Besonderheiten und Interessen. Beim offenen Unterricht steht das entdeckende Lernen im Mittelpunkt, welches das Erarbeiten, Bearbeiten und Beantworten spezifisch eigener Fragen meint.
Organisatorisch schlägt sich dies z.B. nieder in offenen Stundenplänen, Projektarbeit, Förderunterricht und der Auflösung der festen Jahrgangsstruktur.

Unter Berücksichtigung der durch das Zusammenkommen verschiedener Individualitäten entstehenden Mannigfaltigkeit, bedeutet die Öffnung nach Innen eine Bereitstellung von vielfältigen und gestaltbaren Räumen. Diese mit mannigfaltigen Materialien und Medien ausgestatteten Räume bieten Möglichkeiten der Arbeit / des Lernens in verschiedenen Gruppengrößen, des Rückzugs / der Entspannung, der Freizeitgestaltung (Sport/Bewegung) etc.

Im Stadtgefüge nimmt die Schule als öffentlicher Raum eine zunehmend bedeutendere Stellung ein. Die traditionellen Barrieren zwischen Schule und Umfeld weichen sich auf.
Der Begriff der Community Education meint die Öffnung der Schule zur Gemeinde / zum Stadtteil hin. Bei der gegenseitigen Ressourcennutzung werden zum einen Räumlichkeiten der Schule verstärkt für "außerschulische" Aktivitäten genutzt, zum anderen wird die Interaktion der Schüler mit den Stadtbewohnern und die Nutzung von außerschulischen Angeboten angestrebt.

Der erzieherische Auftrag der Schule als einem Ort der Gemeinschaft zielt ab auf das Erlernen von Sozialkompetenzen und demokratischem Verhalten. Das einzelne Kind nimmt im Zusammenspiel mit den anderen Schülern, Lehrern, Eltern und Gemeinde- oder Stadtbewohnern selbst gestaltend an der Ausbildung des Schulklimas und der Schulkultur teil. Die Schüler können in dieser Öffentlichkeit die heterogenen Strukturen der heutigen Gesellschaft erfahren.

Der Abstufung des Grades von Gemeinschaft vom einzelnen Schüler über unterschiedliche Gruppen bis hin zur Stadtöffentlichkeit entsprechen die verschiedenartig ausgeprägten innen und außen liegenden Bereiche der Schule.

Der öffentliche Vorplatz der Schule reagiert auf die verschiedenen Zuwege und verankert das Haus auf dem Grundstück, indem durch das Gegenüber von Treppenstufen und Gartentopographie ein Außentheater ausgebildet wird.
Vom Platz aus betritt man das große Foyer. Rechts vom Eingang liegt der Küchenbereich, erweiterbar zum Kiosk oder Café, links der große Werkraum. Beide Räume können zum Platz geöffnet werden.

Im großzügigen, innen liegenden, öffentlichen Schulbereich befinden sich die Räume von Pförtner/Hausmeister und der Verwaltung (Ansprechpartner), sowie das Lehrerbüro. Eine Treppe führt nach unten zu einem Bibliotheksbereich und zu multifunktional, auch „außerschulisch“, nutzbaren Seminarräumen. Eine visuelle Verbindung besteht zur Sporthalle, welche sich mit den Nebenräumen im Untergeschoss befindet.
Im Foyer steigt eine breite Treppe zum Innenhof an. Diese Bühne kann für verschiedenste Aktivitäten genutzt werden und steht sinnbildlich für die Verschränkung von Schülerschaft und Öffentlichkeit.
Im hinteren Bereich und in den Obergeschossen schließt sich der interne Schülerbereich an: sozusagen eine "Welt für sich". Neben Klassen- und Gruppenräumen werden auch innen und außen liegende Freibereiche bereitstellt. Die Wände sind hier zum benutzbaren Möbel erweitert, welches sich in der Fassade auch nach außen zeigt.



Grundriss EG / OG

Das Schulhaus unterstützt die Ausbildung einer Identität (Corporate Identity – auch für Schulen), mit der sich die Schule nach Innen und Außen hin positionieren kann. Im Wettbewerb der Schulen kann so die Öffentlichwirksamkeit und die Qualität gesteigert werden.




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