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Semesterprojekte

Themenarchiv der Projekt- und Diplomarbeiten

Semester:
Sommersemester

Student:
Böhm, Florian
Ott, Christian

Studienphase:
Seminar / Workshop

Professor / Lehrbeauftr.:
Prof. Eilfried Huth

Assistent / Wissensch. Mitarb.:
Jesko Fezer

Themengebiet:
Kultur/ Medien/ Kommunikation

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  • 2001. Studenten:
    Böhm, Florian • Ott, Christian
  • Seminar / Workshop
  • Prof. Eilfried Huth
  • Kultur/ Medien/ Kommunikation

team 10 – life falls through the net of the four functions

Ein Workshop zu einem architekturgeschichtlichen Phänomen

HOUSING THE STREET.
– halbstarker Urbanismus bei 'team 10' ab 1953

Das Seminar untersucht die jüngere Architekturgeschichte über das euphorische Ende des CIAM und die moderne Kritik des Modernismus durch Strukturalisten und humanistische Rebellen.
Die Dokumentationen des Workshop umfassen folgende Seiten:

Die Meetiings 1953 bis 1984

1. TEAM X – DIE ANFÄNGE

"as the Heroic Period of Modern Architecture had achieved its simple dreams" 1

Team 10 organisierte sich um persönliche Kontakte und Austausch herum im Zeitraum von CIAM IX und CIAM X als Gruppe ohne feste Mitgliedschaften und ohne definiertes Programm. Team X proklamiert vielmehr die Notwendigkeit, der Gruppe eine familiäre Organisationsform zu geben, die frei von einheitlicher Methodik und mit weniger hinderlichem Machtbewusstsein belastet auf die komplizierte gesellschaftliche (Nachkriegs-)Situation reagieren will: Das architektonische Vokabular bleibt persönlich und Macht und ihre Rhetorik werden mit Skepsis betrachtet. Funktionelle Organisation soll durch "menschliche Beziehungen" (Bakema) ersetzt werden und Vorschriften durch Partizipation. Gemeinsames Ziel ist es also, "über das Erbe der Prinzipien moderner Architektur hinauszugehen zu einer weniger simplifizierten Natur, für eine veränderte, sich verändernde Gesellschaft." 2
Alison Smithson schreibt: "CIAM hat in Aix gezeigt, daß es den Sinn für eine erweiterte Familie verloren hat. Familie heißt aktive Einbeziehung der Jungen. Verloren hauptsächlich von der mittleren Generation, genauso wie sie auch ihre architektonisch Moral (...) verloren hatten, vielleicht weil sie zuviel an amerikanischen Architekturschulen doziert hatten oder zu viele Magazine produziert hatten." 3
Von Außen wird Team X dementsprechend durch seine lockere Organisationsstruktur und die Verschiedenheit der Äußerungen erschwert wahrgenommen und liefert in diesem Sinne auch kein eigentliches Gegenprodukt zur verurteilten Charta von Athen/CIAM. Daher spannt sich das Themenspektrum von Systembau zu Simulationen dörflicher Strukturen und zu Wachstumszenarien:
"Für uns ist die größte Freude im Architektendasein das Gefühl des Entstehens eines Gebäudes wenn man ein paar Minuten auf der Baustelle verbringt: es ist nicht so, dass man nicht auch erstaunt ist wenn etwas, was man jahrelang in Gedanken herumgetragen hat, plötzlich Realität wird; aber die reinste Freude kommt vom Geruch des frisch bearbeiteten Materials. Innerhalb von Team X bestand das Vergnügen darin, sich gegenseitig die Ideen der Projekte zu präsentieren - sie gegen Angriffe zu verteidigen... Es waren diese Momente, welche die Team X - Treffen so wunderbar machten, dieses Gefühl von frisch bearbeitetem Material." 4

2. TEAM X – TREFFEN (Vor dem CIAM´59 in Otterlo)
Die Differenzen in der theoretischen Weiterentwicklung der modernen Bewegung zeichnen sich auf dem neunten CIAM in Aix-en-Provence ?54 bereits sehr stark ab. Die starke Kritik unter der jüngeren Generation an der ?rationalen Architekturauffassung? weitet sich auch auf die in ?Can our Cities Survive?? von José Luis Serts enthaltenen Stadtideen (speziell Gropius) aus. Von der mittleren Generation ist man enttäuscht. Die Jüngeren "glauben, dass die Mehrzahl der Architekten den Kontakt mit der Wirklichkeit verloren hat und Träume von gestern errichtet..." 5, schreiben die Smithsons, "Wir merkten, dass die mittlere Generation die Sprache der Architektur in ihren Händen verkommen lässt" 6.
Banham schreibt: "Seit dem siebenten Kongress (1949 in Bergamo) war es bei Architekturstudenten Brauch, zu den Tagungen der CIAM zu strömen, um wieder Verbindung mit der internationalen modernen Bewegung aufzunehmen - um zu Füßen ihrer großen Meister zu sitzen... . Aix wurde tatsächlich fast gestürmt von der Menge der Studenten und jungen Architekten." 7 Team X schreibt darüber später: "Die Konferenz in Aix war für die jüngere Generation insofern enttäuschend, als sie dabei sehen musste, in welchem Maße die CIAM von dem bewunderungswürdigen Projekt der Ville Radieuse abgerückt waren." 8
Die Leute um Team 10 lernen sich größtenteils in Bewunderung der selben Projekte "einer neuen Architektursprache" in Aix kennen. Das tatsächlich erste "Team 10 Meeting" (die Gruppe hat sich so noch nicht formiert) passiert nach einer Party auf dem Dach der Unité, um Mitternacht, beim Kamelschinkenessen in einer Marokkanischen Bar in Marseilles. Ein paar Monate später trifft man sich in Doorn, Holland. Es entsteht "The Doorn Manifesto" 9. Mitte '54 bekommt die Gruppe den Auftrag Vorschläge zur Vorbereitung des zehnten CIAM zu machen. Ab diesem Zeitpunkt gibt es namentlich "Team 10" und häufige Treffen in London, Paris und Holland. "Diese frühen Treffen... waren einfach zusammenkommen, essen und mit vollem Mund weiterreden." 10, schreibt Alison Smithson. In Paris besucht Team 10 Le Corbusier, der ihnen weitere Kompetenzen überträgt. 11 In La Sarraz wird mit dem CIAM-Council der zehnte Kongress in Dubrovnik vorbereitet.
CIAM´59 in Otterlo und danach
Der 11.CIAM in Otterlo bedeutete die Auflösung des CIAM durch Team 10. Reyner Banham schreibt: "Die Tätigkeit des Team X zur Herbeiführung dieses Zusammenbruches war vorsätzlich und bewußt - zumindest im Sinne des Entschlusses, ihren eigenen Ideen Geltung zu verschaffen, gleichgültig um welchen Preis, da sie überzeugt waren, daß sie recht hatten und ihre Gegner unrecht. ... Die Bildung des Team X gehörte zur vorsätzlichen Politik der älteren Mitglieder, wenn auch das Ergebnis nicht ganz dem entsprach, was sie beabsichtigt hatten." 12
"...Paradox genug erscheint das Auflösungstreffen in Otterlo eines der erfolgreichsten gewesen zu sein. Auf die Diskussion die diesmal stattfand, wurde in den späteren Schriften der Teilnehmer häufig hingewiesen. Die kleine Teilnehmergruppe umfaßte so berühmte Leute wie Kenzo Tange, Oskar und Zofia Hansen, Bakema, Ernesto Rogers, Alison and Peter Smithson, Louis Kahn und aus Skandinavien Korsmo, Geir Grung und Ralph Erskine. ...Es wurde eine sehr bunte und sehr inspirierte Sache - völlig anders als die üblichen Architekturbücher und ohne an die tristen Protokolle, die normalerweise nach Kongressen versandt werden, zu erinnern." 13
Team 10 trifft sich weiter im familiären Kreis in Paris, London, Stockholm, Royaumont, Berlin, Toulouse, Rotterdam usw. Man diskutiert eigene Arbeiten macht Exkursionen und bereitet Publikationen vor. Das offiziell letzte Treffen findet ?81 im Lissabon statt.

3. TEAM X – IN ABBAYE ROYAUMONT 1962
Die Transkriptionen der Gespräche von Royaumont galten als verloren, wurden später von Guillermo Julian de la Fuente, einem "Beobachter", zur Verfügung gestellt: Aus den Royaumont-Gesprächen entstand das "Royaumont-Dokument" 14 als quasi-Manifest von Team X Denken. Team X betrachtete dieses Dokument, im Gespräch mit Gästen, als Höhepunkt der "Familie in voller Blüte". Es folgt den Publikationen des Team X Primer 15 und des Otterlo Book 16. Es folgt nun zusammengefasst eine Auswahl der Teilnehmer des Treffens mit ihren dort präsentierten Projekten.

RALPH ERSKINE / SIEDLUNGSPROJEKT VON TIBRO, SCHWEDEN
Erskine ist Engländer, studierte am Polytechnikum in London und ließ sich später in Schweden nieder, das sich seit den 30ern sehr modern entwickelt. In einer abenteuerlichen Aktion hat er ein Themseschiff nach Stockholm gesegelt, wo er ich sein Büro eingerichtet hat. Team 10 traf sich zuletzt dort.
In den 50ern beschäftigt sich Erskine mit den Siedlungsmöglichkeiten in der Arktis. In Otterlo präsentierte er sein Projekt "Stadt in der Arktis". Erskine kann in Schweden sehr viel realisieren, oft große Komplexe oder Siedlungsprojekte. In Royaumont zeigt er seine teilweise schon gebaute Wohnanlage in einem Außenbezirk von Tibro. Gemischte Haustypen und Wohnungen liegen in einem zentralen Fußgängerbereich, der vom Verkehr völlig abgetrennt bleibt.

STEFAN WEWERKA / BOULEVARD BUILDING, ZWISCHEN 9. UND 18. ARRONDISSEMENT, PARIS
Die (Re)Konstruktionsweise europäischer Nachkriegsstädte zerstört laut Werwerka vorhandene Kernstadtatmosphären und schafft im Gegensatz unangenehme Wohnräume. Städte sind ein kompaktes Bündel übereinandergeschichteter Netzstrukturen und damit die Summe vieler verschiedener Systeme. Dass neuartige Baumethoden die unterschiedlichen Netzsysteme wie Straßennetze, Netze des öffentlichen Personenverkehrs und Gebäudenetze separieren, sieht er als Problem an.
An Stelle von Abriss und Neubau soll desshalb Überlagerung treten; "rohe Enden" alter Systeme sollen fertiggestellt und ergänzt werden.

GIANCARLO DE CARLO / STADTERWEITERUNG MAILAND
De Carlo studierte in Mailand und Venedig. Seit 1955 lehrt er Stadtplanung in Venedig. Mit seinen späteren Planungen für Urbino ab '64 kann de Carlo eine prägnante Antithese zur Ville Radieuse verwirklichen. Er präsentiert Studien für eine Erweiterung Mailands in denen er nur einzelne Teile fixieren will (sog. Hinges - Angelpunkte), zwischen denen dann ein elastisches, anpassungsfähiges System liegt. Auf diese Weise will er seine Planung dem Einfluss bestimmter Kräfte und Partizipationen aussetzen. Dabei sucht er nach einer Methodik, die den Prozess ohne ihn fortführt, ein System, das sich selbst fortschreibt. Er stößt dabei auf die Kritik Peter Smithsons: "Ich bin absolut überzeugt, dass man ein Problem nicht als grobes Strukturierding belassen kann. Ich habe eher das Gefühl, dass man sich tatsächlich hinsetzen und archetypische Lösungen produzieren muss."

CHRISTOPHER DEAN UND BRIAN RICHARDS / RAILWAY STATION, EUSTON
In ihrem Euston Projekt wollen Dean und Richards den städtischen Durchgangsverkehr entwickeln und ausbauen. Alte Kopfbahnhöfe sollen möglichst unterirdisch miteinander und mit anderen Verkehrssystemen verbunden werden. Wie früher, als die Kreuzung zweier Straßen zur Bildung einer Stadt führten, soll aus dem Bahnhof Euston eine Stadt Euston werden.
Der Verkehrsknotenpunkt wird überspitzt formuliert und maximiert.
Der Entwurf wird innerhalb Team X sehr kontrovers aufgenommen, Wewerka bezieht eine Gegenposition: Durch die einfache Überlagerung von Geschwindigkeitssystemen lässt sich keine soziale Aussage erzielen, zudem kommen sich die einzelnen Funktionen gegenseitig in die Quere, die Lösung ist formal unvollständig. Deans und Richards? These, das Gebäude sei die Akkumulation verschiedener Systeme steht Wewerkas Ansatz, das Gebäude verbinde verschiedene Systeme gegenüber.

ALDO VAN EYCK / PROJEKT VON PIET BLOM
Aldo van Eyck studierte Architektur an der Königlichen Akademie für bildende Künste in Den Haag und an der ETH in Zürich. Zunächst war van Eyck bei den Amsterdamer Stadtwerken angestellt, wo er ca. 60 Kinderspielplätze plante (er selbst behauptete im Spaß es wären mehr als 700). Sein Städtisches Waisenhaus in Amsterdam, wurde 1960 vollendet. Van Eyck ist zu dieser Zeit Redakteur der Zeitschrift "Forum". Dass seine Auffassungen oft weit von denen der anderen im Team entfernt sind, zeigt sich auch in Royaumont. Anhand zweier Analogien - eine davon sein bekanntes Blatt-Baum-Diagramm, die andere eine abstrakte Zeichnung von "extremly naive" Piet Blom (Arche Noah) – versucht er universale Phänomene wie "Haus gegen Stadt" oder "dienend gegen bedient" zu beschreiben. Man wirft van Eyck vor, ein idealistisches Denkmuster in etwas Gebautes umsetzen zu wollen, was in einem Bild von einem Bild ende. Die Diskussion driftet ins Seltsame und endet so:
Woods: "Aldo, do you honestly think, that this is poetry in the sense that it illuminates our life in some way today? Do you really think that this is poetry?"
Van Eyck: "Uh huh."
Woods: "Then there is no point in talking about this any more?"

JAAP BAKEMA / BOCHUM UNIVERSITÄT, WETTBEWERB
Bakemas studierte an der TH Groningen. Als Vorbild für seine Architektur steht das Schloss als Gebäude mit vielen unergründlichen Gängen, vielen gut bekannten Plätzen und eben so vielen geheimen Plätzen. "Es macht Spaß es zu erforschen."
Die moderne holländische Stadt ist das Antibild dazu, sie ist über alle Maße ausgedehnt, gleichförmig und birgt keinerlei Geheimnisse mehr.
Bakema will Räume schaffen, die den Menschen dazu bringen, mehr über seine eigene Existenz zu erfahren; "Du stehst auf dem Boden und blickst in den Raum, und dann machst du ein Haus". Der Architekt muss die Verantwortung für den "Eingang" in eine räumliche Situation übernehmen. Und er muss vernetzte Gebäude herstellen.
Die Gruppe kritisiert das "one-big-building-thing" als System des Verbindens als theoretisch gut aber physisch nicht herstellbar (Smithson).

ALISON UND PETER SMITHSON / CITIZENS? CAMBRIDGE
Die Smithsons studierten beide in Durham, England, und ziehen später nach London. Sie prägen den Begriff "New Brutalism". Sowohl die meisten Team 10 Dokumente, wie auch zahlreiche andere Artikel werden von ihnen in "Architectural Design" publiziert; wodurch sie das "Team 10 Thinking" maßgeblich formuliert und bestimmt haben. In diesem Treffen präsentieren sie ihren "Citizen?s Cambridge structuring plan", wo sie durch Implantieren eines zweiten Zentrums und durch ein umfassendes Verkehrskonzept den historischen Stadtkern vor industrialisiertem Kommerz schützen wollen. Der Verkehr wird über Parksysteme abgezogen, von denen man in eine Fußgängerzone gelangt. Das neue Zentrum wird mit großer infrastruktureller Bandbreite versorgt und über Wege und Busse eng mit der Altstadt verknüpft. Interessanterweise kommt hier bereits Disneyland als Beispiel eines simulierten historischen Raums zur Sprache.
Smithson: "But, I think that in a way the problem... doesn't apply here, because all you are doing is making a real historical space work; returning it to its original level of working."

SHAD WOODS / VAL D´ASSUA, BILBAO SCHEME
Um ein übergeordnetes System der Gruppierung einer großen Anzahl von Siedlungen zu entwickeln soll die lineare Organisation untersucht werden. Sie bietet für Woods mehr Flexibilität, mehr Möglichkeiten und löst zudem das Dichteproblem. Verschiedene Bewegungsgeschwindigkeiten sollen separiert werden: die Geschwindigkeit des Automobils ist mit der des Fußgängers unvereinbar und nur an Knotenpunkten als Überlagerung möglich. Dem Fußgänger steht die direkte, lineare Verbindung zwischen zwei Punkten zu, das Auto kann Umwege zurücklegen.
Woods will Strukturen finden, die sich an zukünftige Veränderungen anpassen können. Die lineare und gleichmäßige Verteilung der Siedlungen soll mit Zentren in der Art spanischer Paseos versehen werden. An die Stelle des Planes soll eine Planungsmethodik treten, die eine Entwicklung von Großstrukturen ermöglicht (Val d´Assua: 80.000 E). Begonnen werden soll mit Key-points, wie z.B. Parkplätzen, Schulen und der Erzeugung von Orten mit hoher Dichte.

GEORGE CANDILIS / TOULOUSE-LE-MIRAIL
In Griechenland geboren, in Russland aufgewachsen, studierte er am Polytechnikum in Athen. Er gehört mit Jaap Bakema zu den etwas älteren im Team. Er war Mitarbeiter von Le Corbusier und zusammen mit Shadrach Woods in Marseille Bauleiter bei der Errichtung der Unité. Danach leitete er das Büro Atbat-Afrique in Casablanca wo er zusammen mit Woods Wohnungsbauprojekte plante.
"Städte werden nie von Architekten gebaut: sie werden gebaut von der Gesellschaft, von den Menschen, von den Bewohnern einer Stadt"
Um eine Großstruktur zu entwickeln ist die Akzeptanz in der Bevölkerung die Voraussetzung, als Wegbereiter für das Projekt Toulouse-le-Mirail wurden deshalb vorab Filme in Kinos und Schulen gezeigt. Wie Shad Woods geht Candilis davon aus, dass sich die Struktur in die geschichtliche Entwicklung einordnen muss und ausbaufähig sein soll. Man konstatiert jedoch unter allgemeiner Zustimmung, dass die Methodiken für die Entwicklung solcher Strukturen erst noch gemeinsam gefunden werden müssen, "we must go together because we don´t really know what to do"(Erskine). Neben Einverständnis darin, dass Großstrukturen aufgrund der überbordenden Nachfrage unvermeidbar sind, räumt Candilis eine generelle Unsicherheit durch das Fehlen von Referenzen ein.

3.ROTTERDAM MEETING APRIL 1974
Rotterdam hat ein wenig den Charakter einer etwas nachdenklichen Revue. John Voelcker und Shad Woods sind bereits gestorben. "Team 10 Thinking then had twenty year history behind it" schreibt Alison Smithson. Das Treffen ist in Tagesthemen gegliedert und wird durch Exkursionen ergänzt. Es hat nicht mehr den Konferenzcharakter Royaumonts, unter anderem weil die gemeinsamen Besprechungen immer wieder durch getrennte Autofahrten unterbrochen werden. Am ersten Tag bespricht man die Person und das Werk Shad Woods und wie eine Publikation strukturiert werden könnte. Die Publikation wurde nie fertiggestellt.

THE NATURE OF A TOWN HALL
Am zweiten Tag besucht man das Stadthaus in Terneuzen von van den Broek en Bakema. In der folgenden Diskussion kritisiert Alison Smithsons den fehlenden Ausdruck eines Kollektivs. Dieses Stadthaus sei ein Produkt einer liberalen Gesellschaft und sei für sie daher bereits ein historisches Gebäude. Es steht ausserhalb der Stadt. Fehlende Aussenraumqualitäten werden bemängelt: "If you see a Pieter de Hoogh painting, the Quality and pleasure in materials and possessions, is inside-the-house and outside-the-house, ablsolutely equal. If you go to Jaap?s town hall, outside is the structure. When you are inside, here is a very comfortable quality interiour, very soft."
De Carlo: "It can not be the Representation of Power. If it is the Representation of the Power, it has a language, ...which is a sophisticated language, which doesn?t have anything to do with the people or with the values of the people; which is a kind of secret language, understandable only, and just by, the power.... What is disturbing me very much, is that the language you chose, was a very solipsistic language. Solipsistic trying to find solutions in structural pleasure: you called them acrobats and I was very depressed by that, because it seemed to me, that really, you wanted to do something, which was an acrobatics for yourself."

THE NATURE OF FABRICS WHICH CAN SUPPORT SPONTANEITY AND DIVERSITY
Am dritten Tag spricht Team 10 über die Ableitung von Großstrukturen und ihre Auswirkungen.
CANDILIS (Toulouse-le-Mirail): "Es müssen Plätze und Räume gebaut werden, die ein gleichartiges, geometrisch (linear) entwickeltes Umfeld haben und gleichzeitig Zentrums-, Plaza-situationen schaffen."
BAKEMA (The Lijnbaan): "Das Problem der heutigen Architekten ist ihre Neigung alles aus einem Material zu bauen. Als beispielsweise die Lijnbaan in Rotterdam fertiggestellt war, bestand alles aus Beton und die Leute sagten nur: es ist alles aus Beton, es ist schrecklich!"
SMITHSON: "Etwas zu haben, wo es um Verbindungen geht in den Städten, das ist es was wir definitiv vermissen (...) der Gegenraum muß Beachtung finden."
VAN EYCK: "Wenn ein Gebäude Dauerhaftigkeit suggeriert, mag es niemand. Wenn es Offenheit symbolisiert, mag es niemand, und so weiter. In der Vergangenheit (...) baute man sehr feine vergängliche Gebäude." Die klassische Harmonie ist eine psychologische Notwendigkeit fürs Volk. Es wird alles abgelehnt zwischen Griechentum und Renaissance und nun versucht man die Kombination grundlegender Erfindungen zu erfinden.

KRITIK VON KENNETH FRAMPTON
"Im Jahre 1963 hatte das Team 10 bereits die Phase der Zusammenarbeit und des fruchtbaren Austausches überschritten, eine Veränderung, der die Smithsons bereits in ihrem 1962 veröffentlichten Team 10 Primer Rechnung trugen. Von nun an bestand das Team 10 als Bewegung nur noch dem Namen nach, denn was durch eine kreative Kritik am CIAM bewirkt werden konnte, war bereits erreicht. Auf dem Wege einer kritischen Neuinterpretation konnte nur noch enig geleistet werden, ausgenommen vielleicht das Werk zweier Männer, die bis dahin mehr am Rande gestanden hatten – der Amerikaner Shadrach Woods und der Italiener Ciancarlo de Carlo...
Der Römerberg [Frankfurt, Wettbewerb 1963] bieb zwar Projekt, stellte aber ohne Zweifel die größte Leistung in Woods? Laufbahn dar und ist vielleicht eine der wichtigsten Prototypen des Team 10....
Mit de Carlos Urbino [Plan für Urbino 1964] erreichte das Team 10 schließlich die völlige Antithese zu den kartesianischen Projektionen der Ville Radieuse...
In der Mitte der sechziger Jahre war dieses Problem [der Vertreibung armer Bevölkerungsgruppen in städtischen Erneuerungsgebieten] den meisten Mitgliedern von Team 10 noch nicht bewusst. Mit Ausnahme von Woods, van Eyck und de Carlo zogen sie es offenbar vor, die Zerstörung unseres städtischen Erbes im Namen der Spekulation zu ignorieren. Angesichts der schwierigen Situation erlahmten ihre Formulierungsgabe und schöpferische Phantasie. Was heute von ihrem Werk überdauert, ist paradoxerweise weniger ihr architektonisches Konzept als die suggestive Kraft ihrer Kulturkritik." (1997, S. 235-237)

1) Team 10 Meetings, S.9
2) Team 10 Meetings, S.9
3) Team 10 Meetings, margin note, S.10
4) Team 10 Meetings, Postscript, S.146
5) Team 10 Meetings, S.10
6) Team 10 Meetings, , margin note, S.18
7) Brutalismus in der Architektur
10) Team 10 Meetings, S.22
11) Später im Reader "Team 10 out of CIAM"
10) Auch Le Corbusier zweifelt an den Fähigkeiten der mittleren Generation. Siehe seinen späteren Brief an den Kongress in Dubrovnik (in Kenneth Frampton, Architektur der Moderne, S.231)
12) Brutalismus in der Architektur
13) Arkitekten, Kopenhagen
14) Architectural Design, August 1964
15) Architectural Design, August 1965 und Team 10 Primer, Studio Vista/MIT, 1968
16) Architectural Design, May 1960 und CIAM at Otterlo, Karl Kramer Verlag 1960

Literatur:
Alison Smithson (Editor): "Team 10 Meetings", New York 1991
Kenneth Frampton: "Die Architektur der Moderne. Eine kritische Baugeschichte", Suttgart 1997
Helen Webster: "Modernism without Rhetoric. Essays on the Work of Alison and Peter Smithson", London 1997
Oscar Newman: "CIAM '49 in Otterlo", Stuttgart 1961
Reyner Banham: "Brutalismus in der Architektur. Ethik oder Ästhetik?", Stuttgart 1966
Colin Rowe, Fred Koetter: "Collage City", Birkhäuser, Biel-Benken 1997
Zeitschriftenartikel der Smithsons
"CIAM Team 10", A.D., May'60
"Team Ten Primer", A.D., Dec'62
"The Work of Team 10", A.D., Aug'64
"Team 10 at Royaumont 1962", A.D., Nov'75

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