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Semesterprojekte

Themenarchiv der Projekt- und Diplomarbeiten

Semester:
Wintersemester

Student:
Abel, Anna
Biechteler, Heike
Conradi, Julia
Förster, Catharina
Gieseke, Alexander
Hassenstein, Boris
Hoelzinger, Anne
Krug, Julia
Müller, Heidi
Opper, Cornelius
Przyrembel, Mark
Roloff, Yves
Schladitz, Wenke
Schneider, Christian
Schudel, Manuel
Swillus, Joachim
Wiesmann, Patrick

Studienphase:
Projekt im Hauptstudium

Professor / Lehrbeauftr.:
Prof. Eilfried Huth

Assistent / Wissensch. Mitarb.:
Jesko Fezer

Themengebiet:
Kultur/ Medien/ Kommunikation

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  • 1999. Studenten:
    Abel, Anna • Biechteler, Heike • Conradi, Julia • Förster, Catharina • Gieseke, Alexander • Hassenstein, Boris • Hoelzinger, Anne • Krug, Julia • Müller, Heidi • Opper, Cornelius • Przyrembel, Mark • Roloff, Yves • Schladitz, Wenke • Schneider, Christian • Schudel, Manuel • Swillus, Joachim • Wiesmann, Patrick
  • Projekt im Hauptstudium
  • Prof. Eilfried Huth
  • Kultur/ Medien/ Kommunikation
Semesterprojekt Architektur

RewindMETABOLISMUS

baulicher stoffwechsel in japan 1960-1970
EXPORTGESCHICHTE UND EXPORTPOLITIK DES JAPANISCHEN DESIGNS
Yves Roloff

Japan seit 1650
Japan steht seit ca. 1650 unter dem Militärregime der Shoghune. Die dem Shoghun (Landesfürst) unterstellten Samurei (Ritter) bilden die Machtgrundlage und prägen die Bevölkerung nach fürstlichen Oberigkeits­system. Die dadurch entstandene Fügungs­bereitschaft der Untertanen ähnlich wie in Deutschland zur Bismarkzeit ist die Folge

Erster Kontakt
Mathew Perry, Admiral der britisch- amerikanischen Flotte, nimmt 1853 in der Bucht von Ugara den ersten westlichen Kontakt auf militäreischem Wege zu Japan auf. Die Berührung mit der westlichen Kultur führt zur Öffnung zum europäischen- und amerika­nischen Wirtschafts­marktes und 1867 zum Sturz des letzten Shoghunes im Japan.

Meiji-Dekade 1868-1912
Ab1868 beginnt unter der aufgeklärten Regierung die MEIJI-Dekade des fünfzehn­jährigen Kaiserthron­folgers. Zur Moderni­sierung des Landes importiert Kaisers Mutsuhito ab 1869 die Telegraphie, 1872 den Bau der Eisenbahnlinie Tokyo-Yokomama, das Kinetoskop und den mech. Webstuhl.
Der Regierungssitz ist ab 1869 in Edo, dem heutigen Tokyo.

Entwicklung der Exportprodukte
Moderne westliche Produkte und Werkvorbilder werden in dieser Zeit analysiert und mit eigenen Fertigkeiten nachgeahmt. Zur Erweiterung des Wissens der technologische Basis und Stärkung der Grundlagen der Kaiserlichen Regierung wird ab 1869 die Iwakura-Mission (damal. japan. Außenminister) nach Europa und in die USA entsandt. Thema ist, die traditionell handwerkliche Produktion durch technische Innovationen im Bergbau, der Textil- und Keramik­industrie und der chem. Industrie zu erweitern. Die Mission setzt sich aus über 100 Fachleuten wie Ingeneuren, Professoren und Studenten zusammen. Sie sollen Informationen über moderne Produktions­techniken und Produktions­muster aller Bereiche beschaffen.

Japanisches Design, Exportartikel Textilien

Teischo-Dekade
Ab 1912 beginnt die TEISCHO-Dekade. Westliche Kleidung und Literatur ist ein Symbol für die Kulturvertrautheit der westlichen Hemissphere und damit ein Muß für jeden mondän-modernen Japaner.

Militärische Aktivisten und Imperialismus
Die KWANGTUNG-Armee erobert 1931 unter der Führung Militärischer Aktivisten die Süd-Mandschurei. Die Aktivisten unterwanderten die Regierung systematisch und geben den militärischen Kurs an. Es folgen Entmündigungen der Vorgesetzten durch untergebene Offiziere und zahlreiche Militärputsche der Offiziers­gruppen. Zeitgleich zerbrechen alle demokra­tischen Vereinigungen, die Presse äußert sich nicht antimili­taristisch.
Totalitäre Verbindungen gewinnen weiter die Oberhand und es kommt zur weiteren Unterwan­derung des Regierungs­apparates und politischer Ämter.
Die politischen Schwerpunkte der Aktivisten konzentrieren sich ausschließlich auf die Festigung des Militärs, Rüstungs­steigerung, Expansions­politik und patriotische Erziehungs­maßnahmen.

Der Zweite Weltkrieg
Am 25. Juli 1937 überfällt die japanische Militärmacht China und wird zudem in verlustreiche Zwischenfälle mit der Sowjetunion an der monglisch-mandschuhrischen Grenze verwickelt. Die Japaner schließen 1941 mit der UdSSR ein Neutralitätspakt und greifen Pearl Habour (USA-Marine­stützpunkt) an. Daraufhin tritt Japan Italien und Deutschland bei. Die Achsenmächte bilden sich. Im August 1945 kommt es zum amerika­nischen Atombomben­abwurf in Hiroshima und Nagasaki und damit zur Kapitulation. Japan bleibt bis 1952 von den USA besetzt, sämtliche Metropolen wie Tokio sind völlig zerstört.

Die politische Nachkriegssituation
Die Lehrerschaft und junge Studenten sind sozialistisch orientiert oder in linksextremen Vereinigungen organisiert. Diese werden in der Nachkriegszeit durch die UdSSR und China unterstützt, jedoch von der japan. Regierung als Bedrohung des demokrati­schen Systems angesehen. Die Militaristen verlieren aufgrund der Kriegsfolgen und Opfer ihre Basis in der Bevölkerung. Die Kommunistische Studenten­organisation Zengakuren versuchte beispielsweise den Besuch Eisenhowers und die damit verbundene Unterzeich­nung des Sicherheits­paktes mit politischen Protest­aktionen und Kundgebungen radikal zu verhindern.

Die Nachkriegsdepression
Die verheerenden Folgen der Atombomben­abwürfe hinterlassen einen Schockzustand und eine folgende Tabuisierung der Kriegsfolgen. Der verlorene Krieg und die Idiotisierung der Japaner führt zu enormen Minder­wertig­keitsge­fühlen. Diese Ereignisse werden im japan. Filmgenre, mit dem amerika­nischen Vorbild (das Ungeheuer aus 20000 unter See) neu verarbeitet und trägt zur Vergangen­heitsbe­wältigung bei.
GODZILLA das Dinosauriermonster aus der Untersee simbolisiert in seinem extrem zerstöre­rischen Auftreten in Tokio die Atomkatastrophe, die meistens mit technischen Erneuerungen durch ein vertreiben des Monsters abgemildert wird. GODZILLA wird mit etlichen Episoden über fast zwei Jahrzehnte hinweg der japanische Filmexport­schlager.

Godzilla Filmplakat

Japanische Exportproduktion und Produktentwicklung
Die Regierung propagiert die angestrebte Export­steigerung und den Aufbau eines funktio­nierenden Binnenmaktes. Zudem gibt sie den Kurs für die Geschäftswelt und die Industrie durch unterstüt­zende Informations und subventions Institutionen vor, ähnlich der wirtschafts­politischen Entwicklung in der MEIJI-Ära.

Japan Export Trade Research Organisation JETRO
Die JETRO wird 1951mit der Aufgabe ausländische Märkte zu Analysieren gegründet. Es werden weltweit anerkannte Design­experten wie z.B. Raymond Loewy (führender amerik. Designer des Lucky-strike Logos) geladen und zur Markt oder Produktentwicklung interviewt. Auslandsstudien japanischer Studenten informieren die JETRO über moderne Produktion und Produkt­paletten.

Industrial Arts Institute IAI
Die IAI wird 1962 neugegründet, ist jedoch schon seit 1928 eine funktio­nierende Insrtitution, gerät aber aufgrund des Aktivisten­regimes in Vergessenheit. Die IAI ist ausschließlich für die Erprobung und Entwicklung von Arbeits­techniken, Verpackungen und Werbe- und Marketing­strategien verantwortlich.

Ministry Investigation Technologie Information MITI
Die MITI ist eine an das Außenhandels­ministerium angegliederte Institution zur Steuerung von Wachstums­branchen, Import und Einsatz ausländischer Technologie und die Devisen­bereit­stellung für Entwicklungs­perspektiven.

Sony, erstes Pocketradio / Sony, erstes tragbares TV-Gerät

Die MITI stellte der neugegründeten Sony-Cooperation devisen zur Beschaffung der Herstellungslizenz von Transistor­radios von der Western Electric Company bereit. Sony produziert daraufhin 1958 das bis dahin kleinste Transistor­radio, das daraufhin auch von westlichen Firmen kopiert wird.

erste Inliner / Shinkansen Schnellzug

Vorerst orientiert sich die Produktion und Gestaltung an amerikanischen und europäischen Vorbildern.

Apollo Roboter / Leica und Olympus – Orginal und Nachbau

Entwicklung des neuen japanischen Designs
Für Innovatives Design wird ab 1957 das G-Siegel von der MITI vergeben um die japanische Plagiatproduktion ausländischer Produktpaletten, die vollständig produziert werden, einzuschränken. „Made in Japan“ steht im Ausland für kopierte Minder­qualitätsware und schadet dem produkt­orientierten Informatios­austausch im Westen und eigenen tech. Innovationen. Teilweise wird Japanern sogar der Zugang zu Produktionstätten verwehrt, um der Plagiatisierung von westlicher Seite her gegenzuwirken. Der MITI mußte zudem bei der Patentanmeldung das alleinige Urheberrecht nachweisen.

Nissan Auto / Staubsauger / erstes Mini-Motorbike

Durch dieses umfangreiche Informations Potenzial sind die produzierenden Firmen in der Lage, Entwicklungs­trends, Innovationen und Produktions­nischen sofort zu erkennen und in ihre Produkt­palette aufzunehmen. Folglich entstanden in den 50er und 60er Jahren ein sehr miniaturisiert orientiertes Produktangebot, da westliche Firmen diese Nische nicht erkennen.
Die japanischen Produktpaletten werden noch in den 50ern vollständig den Ingeneuren überlassen was sich in den 60ern umorientiert. Der Beruf des Designers gewinnt an Popularität und trägt nachweislich zur Produkt­innovation bei. Die Designer verbesserten die Produkte in ihrer Funktionalität, Erscheinung und erneuerten Werbe­konzepte und -strategien.

Industrienation Japan
1960 kommt es dann zur Unterzeichnung des Japan Sicherheits­paktes und zum Beschluß des Regierungs­programm zur Verdoppelung des National­einkommens. Der Wiederaufbau und die damit verbundene Konjunktur­aufschwung im Industriellen wie auch im konzep­tionellen Bereich führt in den folgenden Jahrzehnten zum Aufstieg zu einer der einflußreichsten Industrie­nationen.

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