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Semesterprojekte

Themenarchiv der Projekt- und Diplomarbeiten

Semester:
Wintersemester

Student:
Abel, Anna
Biechteler, Heike
Conradi, Julia
Förster, Catharina
Gieseke, Alexander
Hassenstein, Boris
Hoelzinger, Anne
Krug, Julia
Müller, Heidi
Opper, Cornelius
Przyrembel, Mark
Roloff, Yves
Schladitz, Wenke
Schneider, Christian
Schudel, Manuel
Swillus, Joachim
Wiesmann, Patrick

Studienphase:
Projekt im Hauptstudium

Professor / Lehrbeauftr.:
Prof. Eilfried Huth

Assistent / Wissensch. Mitarb.:
Jesko Fezer

Themengebiet:
Kultur/ Medien/ Kommunikation

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  • 1999. Studenten:
    Abel, Anna • Biechteler, Heike • Conradi, Julia • Förster, Catharina • Gieseke, Alexander • Hassenstein, Boris • Hoelzinger, Anne • Krug, Julia • Müller, Heidi • Opper, Cornelius • Przyrembel, Mark • Roloff, Yves • Schladitz, Wenke • Schneider, Christian • Schudel, Manuel • Swillus, Joachim • Wiesmann, Patrick
  • Projekt im Hauptstudium
  • Prof. Eilfried Huth
  • Kultur/ Medien/ Kommunikation
Semesterprojekt Architektur

RewindMETABOLISMUS

baulicher stoffwechsel in japan 1960-1970
Die japanische Familie
Manuel Schudel, Patrick Wiesmann

Gesellschaftliche Struktur
Erst Ende des 19. Jhdt. waren in Japan erste Industriali­sierungs­prozesse und Struktur­veränderungen abzulesen. Die Gesellschaft war so aufgebaut, dass an erster Stelle immer die Familie stand. Viele Leute lebten in Gross­familien auf dem Lande und betrieben Landwirtschaft. Neben Öffnungs­versuchen von oppositionellen Kräften waren die Kräfte derjenigen, welche die traditionelle japanische Familien­struktur unterstützten viel zu stark. Diese konservative Einstellung baute auf der Basis des Shintoismus und des Konfuzia­nismus, welcher in China seinen Ursprung hatte auf. Sie unter­stützten ein Staats­konzept, welches die Gesellschaft als eine grosse Familie sah deren Oberhaupt der Kaiser war. Die Beziehung zwischen dem Herrscher und seinen Untertanen wurde in allen gesellschaft­lichen Bereichen widerspiegelt was sich zum Beispiel auch in der Familie in der Beziehung zwischen Vater und Sohn zeigte. Diese Ideologie fand bei den ehemaligen Samurai­familien grossen Anklang, da sie schon immer eine solche Struktur besassen. Der Kaiser als Oberhaupt des Staates beanspruchte einen Gottheits­status für sich.
Die Familienstruktur bestand bei der traditionellen Familie, welche auch durch das Gesetz von 1889 bis zur Revision 1945 anerkannt war aus vier Grundzügen:
1. Eine Familie wurde als ununter­brochen von der Vergangenheit bis in die Zukunft existierend aufgefasst. Das heisst, dass die Ahnen und Nachkommen durch diese Idee immer miteinander verbunden sind. Diese Verbindung basiert nicht nur auf Blutsver­wantschaft, sondern auf einer Reihe von Beziehungen die für die Fortführung der Familie als Institution notwendig sind. Daher ist die Verehrung der Ahnen die wichtigste Verpflichtung und Aufgabe der Familie. Als Stammfamilie galt diejenige des Mannes, welcher in einem Haushalt das Familien­oberhaupt darstellte.
2. Die Ergebenheit der Kinder gegenüber den Eltern. Das reflektieren Aussagen wie: man muss den Eltern Tag und Nacht dienen oder den Anweisungen der Eltern ist Gehorsam zu leisten. Die Familien lebten damals meistens in Grossfamilien wobei die Führung den ältesten noch arbeitenden übertragen wurde. Die Fürsorge für die alten Familien­mitglieder war mit diesen Bestimmungen untrennbar verbunden.
3. Die gegenseitige Harmonie der Ehegatten. Die Frau, welche in eine bestehende Familie einheiratet, hatte in erster Linie die Rolle einer Schwieger­tochter zu erfüllen. Ihr Auftrag war es, den Eltern des Ehemannes eine gute Tochter zu sein und ihrer Schwieger­mutter zu dienen. Der Sinn des Zusammen­lebens mit ihrem Gatten war mit der Hervor­bringung von Nachkommen meistens erfüllt. Ehen wurden fast immer von Familien organisiert und es war höchst selten, dass Ehen aus Liebe geschlossen wurden.
4. Die Harmonie der Familie basierte darauf, dass sich jeder dieser Organisation seiner Pflichten bewusst war und dement­sprechend handelte. Durch die klare Rangordnung in der Familie, welche den nieder­stehenden verbat gegen höherste­hende Stellung zu nehmen, konnte es idealerweise innerhalb der Familie zu keinem Interessens­konflikt kommen.

Nach dem zweiten Weltkrieg kam es zu einem sehr hefigen sozialen Wandel, nachdem in der militärischen Periode versucht worden war, die gesellschaft­lichen Entwicklungen zurückzudrehen und anachronis­tische Werte unter dem Volk zu verbreiten. Die amerikani­sche Besatzungs­macht war bemüht, diese Ideologie und ihre überbleibsel zu beseitigen wobei sie anfangs von den linksge­richteten Intelektuellen begeistert unterstützt wurden. Angesichts der industriellen Entwicklung des Landes längst fällig gewesene Reformen wurden nun verwirklicht, die gesellschaft­liche Entwicklung wurde praktisch da fortgesetzt, wo sie nach 1930 durch den immer stärker gewordenen Militaris­mus unter­brochen wurde. Das Tenno- System mit dem Kaiser als Ahnherrn und Vater aller Japaner in seiner mystischen Überhöhung wurde abgeschafft, dem nicht nur in der Staats­philo­sophie sondern in allen Bereichen des täglichen Lebens auftre­tenden Familismus wurde der Kampf angesagt, man bemühte sich, in Japan den ersten demokrati­schen Musterstaat Asiens nach amerikani­schem Vorbild zu verwirklichen. Eine Landreform setzte dem Grossgrund­besitzertum ein Ende und schuf auf dem Land neue Besitz­strukturen, die zu beträcht­lichen sozialen Umschich­tungen führten. Gewerk­schaften wurden unterstützt, und ihre Zahl stieg innerhalb weniger Jahre beträchtlich an. Die Einführung des allgemeinen Wahlrechts auch für Frauen und deren gleich­gestellte Bildung an den Pflicht­schulen stellten Bedeutende Massnahmen für eine Verbesse­rung des sozialen Status der Frauen dar. Die Reformen auf dem legistischen Sektor gingen davon aus, dass das Individuum das Grund­element der Gesell­schaft bildet, und es sollte in Zukunft davor bewahrt werden, seine Interessen höheren Interessen —denen der Familie, der Wohnge­meinde oder des Staates— unterordnen zu müssen. Nach einer Periode, in der die Individuen gezwungen worden waren, sich für den Staat und den Kaiser aufzuopfern, waren viele Personen bereit, nun das Streben nach individu­ellem Glück als einen grundle­genden Faktor des wirtschaft­lichen Aufstiegs und der Moderni­sierung nach 1945 anzuführen.

Die Stellung des Individuums
Da diese erwähnte Familienstruktur auch die Gesellschaftsstruktur war, wurde das Individuum in keiner Weise beachtet. Die Harmonie der Familie wurde in allen Bereichen des Staates verankert wodurch eine Entfaltung des Einzelnen nur beschränkt und auf sich bezogen möglich war.
Die japanischen Gesellschaft ist zwar von einer Individuali­sierung nach westlichem Vorbild geprägt, unterliegt jedoch einem starken Gruppen­denken. Das streben nach Konformität stellt für viele Japaner einen der höchsten sozialen Werte dar. Als Ergänzung zur Konformität hat das Wettbewerbs­denken zu gelten, das der Konformität dynamische Züge verleiht und zu einem starken Zusammen­gehörigkeits­gefühl führt. Es sind jedoch auch starke Gegenten­denzen vorhanden, die gegen diese «Tyrannei der Gruppe» ankämpfen. Diese Haltung wurden auch von den Metabolisten unterstützt, welche nicht mehr die Nation, den Clan oder die Familie ins Zentrum stellten, sondern das Individuum und seine Bedürfnisse.

Die Beziehung der Ehegatten
Wie bereits erwähnt war die Beziehung der Ehegatten eine rein institutionelle Verbindung. Viele Ehen wurden nach kurzer Zeit wieder aufgelöst da die Frau nicht den Erwartungen des Mannes oder der Schwieger­eltern entsprach. Die Frau drang in eine bestehende Familie ein wo sie auch als aussenste­hende betrachtet wurde. Das belegen Sprichwörter wie: der Bauch ist nur geborgt oder man kann zwar die Frau aber nicht die Eltern austauschen.
Der Stellenwert von arrangierten Heiraten hat zwar nach dem Krieg zugunsten der Liebes­heirat beträchtlich abgenommen, hat aber in gewissen Kreisen immer noch eine grosse Bedeutung, weil in der Gesellschaft eine grosse überein­stimmung darüber besteht, dass das eingehen einer Ehe für die meisten wünschens­wert sei. Damit dieses Ziel erreicht werden kann ist eine Institution wie das miai ( arrangiertes Treffen zum kennen­lernen ), das es auch den Schüch­ternen und übrigge­bliebenen gestattet, einen Partner zu finden, äusserst wichtig. Die moderne Familie ist jedoch nicht als Partner­schafts­familie im westlichen Sinne zu bezeichnen, als nicht die Beziehung zwischen den beiden Ehegatten, sondern die Beziehung zwischen den Eltern und den Kindern den Mittelpunkt der familiären Sozial­beziehung bilden.

Soziale Stellung der Frau
Frauen hatten einen sehr schwierigen Stand in der japanischen Gesellschaft wobei sie eigentlich immer als dienende Person dargestellt wurden. Vor der Heirat musste sie den Eltern des Mannes dienen, danach dem Gatten und im Alter den Kindern. In der konfuzia­nischen Moralschrift Onna daigaku (Hohe Schule für die Frauen) wurde die Frau im Vergleich mit dem Mann, der das Licht darstellt, als Schatten hingestellt, die Männer galten als edel und weise, die Frauen als gemein und dumm. Zwischen Mann und Frau herrscht eine Beziehung der Über- und Unter­ordnung. Gesetzlich war die Frau ebenfalls sehr schlecht gestellt da sie im Familien­verband vom Mann erst an dritter Stelle nach den Eltern und den Kindern versorgt werden musste. Die Aufgabe der Frau war es den Haushalt zu führen, dem Mann zu dienen und die Kinder sorgfältig zu erziehen und sie gerne zu haben. Nach den traditio­nellen Vorstellungen regierte der Mann die Familie, was in Sprich­wörtern wie: "wenn der Mann schreit hat die Frau zu springen" ausdrückte. Die Frau sollte abends als letzte ins Bett gehen und morgens als erste wieder auf den Beinen sein. Sie durfte morgens aber keinesfalls das gemeinschaft­liche Bad vor dem Mann benutzen. Wenn sie zwischen­durch einmal ruhen wollte wurde ihr das als Müssiggang angelastet. Kam der Mann spätabends nach Hause, hatte sie angekleidet auf ihn zu warten und musste ihm beim Zubett­gehen behilflich sein. Natürlich war dies eine Idealvor­stellung welche in der Realität nicht immer so gehandhabt wurde. Wenn die Frau ebenfalls arbeitete und somit Geld in die Familie einbrachte wurde die Ergebenheit dem Mann gegenüber verringert was zum Teil auch zu einer Frauen­herrschaft in Familien führen konnte.

Die tatsächliche Lage der Frau hat sich besonders nach 1945 stark gebessert, ohne dass aber alle Benachtei­ligungen, die mit ihrer Rolle in der japanischen Gesellschaft seit langer Zeit verbunden waren, beseitigt worden wären. Mädchen­geburten werden nach wie vor geringer bewertet als Knaben­geburten, in der Erziehung ist man Knaben gegenüber toleranter, die Ausbildung der Mädchen ist primär auf die Erforder­nisse der Ehe abgestimmt, die Berufsaus­bildung ist sekundär. Für berufstätige Frauen ergibt sich eine weitere Diskrimi­nierung daraus, dass ihre Berufsarbeit von den eher traditionel geprägten Grossbe­trieben nur als ein temporärer übergang bis zum Erlangen einer neuen Rolle als Ehefrau oder Mutter angesehen wird. Die Löhne der Frauen sind im allgemeinen geringer und Aufstiegs­chancen in den Betrieben wenig vorhanden.

Arbeit und Betrieb
Da die japanische Gesellschaft sehr lange eine landwirtschaftliche Prägung hatte, war in der traditionellen Familie die Struktur auf dem Lande weniger streng aufgebaut als in den Städten. Berufe hatten ganz klare Prestige­einteilung in unterschied­liche Stände. Es gab die Samurai, die Bauern, die Handwerker und die Kaufmänner. Diese Ordnung wurde nach ihrer Bedeutung für die Gesellschaft bewertet. Nach der konfuzia­nischen Philosophie waren Kaufleute, welche keine produktive Tätigkeit ausübten der niedrigste Stand. Man wurde in einen dieser Stände hineingeboren und konnte diesen nicht wechseln. Es galt der Ausspruch: sei dir deines Standes bewusst, und es galt als hochmütig, wenn man durch die Annahme eines anderen Berufes den Stand zu wechseln versuchte. Es wurde allgemein die Haltung vertreten, dass jeder Stand seine eigene Ethik besass und durch seine Arbeit einen wichtigen Beitrag zur Gesellschaft und einen wertvollen Dienst für den Staat leistete.

Die Firma spielt in der modernen japanischen Gesellschaft eine übergeordnete Rolle. Der Betrieb übernimmt darüberhinaus die Aufgabe einer sozialen Institution. Zusammen mit der Garantie der Anstellung auf Lebenszeit, der Entlohnung nach dem Dienstalter, dem Vorrücken nach den Dienstjahren und der Familien­ideologie bildet die innerbe­trieb­liche Wohlfahrt eines der fünf Prinzipien des Betriebsfamilismus, der somit den Stammarbeitnehmern erhebliche Vorteile bietet. Die temporären Arbeiter, die teilzeit­beschäf­tigten Frauen und die Arbeitnehmer von kleinen Betrieben, die meist völlig von einem Grossbetrieb abhängig sind, arbeiten nicht nur unter schlechteren Bedingungen, sie haben auch eine grössere Unsicherheit der Anstellung in Kauf zu nehmen, weil sie in Rezessions­zeiten jederzeit entlassen werden können. Die sich auf diese Weise manifes­tierende Doppelstruktur der japanischen Wirtschaft unter Ausspielung eines Teils der Arbeit­nehmer gegen einen anderen Teil, muss wohl als ein wesentlicher Punkt des Geheimnisses der wirtschaft­lichen Erfolge Japans in den letzten Jahrzehnten angesehen werden. Auf Grund der grossen Unterschiede zwischen Gross- und Klein­betrieben wird häufig anstelle eines Berufs­prestiges das Prestige des Betriebes auf die Arbeitnehmer übertragen, und diese Identifi­zieren sich weniger mit den Personen, die den gleichen Beruf wie sie selbst ausüben, sondern eher mit den Angehö­rigen des gleichen Betriebes.

Jugend
Durch die klaren Aufgabenteilung in der traditionellen Familie Japans waren die Kinder in ein System eingebunden welches ihnen keinen grossen Spielraum an Flexibilität zuliess. Kinder hatten ergeben ihren Eltern zu dienen und sich in der Familien­struktur einzupassen. Der erstgeborene Sohn war alleiniger Erbe des Familien­besitzes hatte aber dadurch auch die Verpflichtung für die Eltern zu sorgen. Seine Geschwister halfen ihm dabei mit Unter­stützungs­beiträgen und dergleichen.
Die Kinder haben in der Regel eine stärkere Bindung an die Mutter und eine gewisse distan­zierte Einstellung zum Vater, daher fällt es den Knaben oft schwer, sich mit dem Vater zu Identifi­zieren und als Heranwachsende ihre Rolle zu übernehmen. Ein besonderer Krisenpunkt in der Entwicklung stellt die Zeit der Aufnahme­prüfungen in höhere Bildungsanstalten dar. Wer die Aufnahme in eine erstklassige Universität anstrebt, deren Absolvierung die besten Chancen im Berufsleben eröffnet, ist bereits ab den höheren Volksschulen gezwungen, sich darauf entsprechend vorzubereiten. Dies führt dazu, dass für Teenager mit aufstiegs­willigen Eltern die Jugendzeit stark einge­schränkt ist.

Alter
Die Einstellung den Grosseltern gegenüber war durch die Ahnen­verehrung sehr wichtig. Grosseltern lebten bis zu ihrem Tod bei ihren Familien und wurden von ihnen auch getragen. Der Staat verzichtete weitgehend auf eine Sozialpolitik für ältere Menschen, da sie ja in den Gross­familien getragen wurden.
Das frühe Ausscheiden aus dem Berufsleben, bei den Männern durchschnitt­lich mit 55 Jahren, bringt für die Betroffenen eine Reihe von Problemen mit sich, wobei wirtschaft­liche Fragen oft im Vordergrund stehen. Obwohl die Unternehmen relativ hohe Abferti­gungen zahlen, garantieren sie nur das allernied­rigste Lebens­niveau, abgesehen davon dass sie erst mit 60 Jahren einsetzen. Dadurch sind viele Personen dazu gezwungen, nach der Pensionierung eine neue Stelle zu schlechteren Bedingungen zu ergreifen, eine Tatsache, die vor allem von den Klein und Mittel­betrieben ausgenützt wird. Zu den Problemen wirtschaft­licher Natur gesellen sich andere, insbe­sondere die sich aus den gewandelten Einstel­lungen zum zusammenleben der Generationen ergeben, das von immer mehr Personen abgelehnt oder nur in einer modifi­zierten Form, z.B. bei getrennter Haushaltsführung oder bei einer klaren Trennung der Wohnbereiche, akzeptiert wird. In einer Gesellschaft mit veränderten Werten und höheren Bildungs­aspira­tionen können die Grosseltern auch keine Erziehungs­funktionen für ihre Enkel übernehmen. Dazu kommt der sich aus der Tradition der Gross­familie entwickelte Konflikt zwischen Schwieger­tochter und Schwieger­mutter. Die Frauen sind nicht länger gewillt, in eine Familie einzuheiraten, sondern sie beabsichtigen eine eigene Familie zu gründen und wollen nicht länger mit der älteren Generation unter einem Dach leben. Ein erhebliches Umdenken in Bezug auf die Frage, wer die Verant­wortung für den Lebens­unterhalt im Alter übernehmen müsse hat stattgefunden. So sieht die Mehrheit diese Pflicht nun im Individuum selbst oder beim Ehepartner. Da der Einzug in ein Altersheim überwiegend auf Ablehnung stösst, denn Alters­heime haben nach wie vor ein sehr dunkles, einsames Image und sind ausserdem nur in einer sehr kleinen Zahl vorhanden, ist die Zahl der alleinlebenden älteren Ehepaare im Ansteigen begriffen.

Freizeit und Konsum
Früher sollte die Freizeit, wenn überhaupt welche vorhanden war, einzig der Erholung von den Strapazen der Arbeit dienen. Dadurch erhoffte man sich eine ausgeruhte Rückkehr zur Arbeit am nächsten Tag wo mit voller Energie neue Taten vollbracht werden sollten. Das ergab ein sehr passives Freizeitverhalten der Japaner. Oft wurde diese freie Zeit auch zur Verrichtung der anfallenden Reparatur­arbeiten im Haushalt verwendet. Im Mittelpunkt stand aber bestimmt die Erholung und das Schlafen.
Die Notwendigkeit, den Inlandsmarkt anzukurbeln, bewirkte, dass eine jahrhunderte­alte Tugend der Japaner, die Sparsamkeit plötzlich beinahe in Verruf geriet, während das Konsumieren nun eine positive Bewertung erzielte. Eine ähnlich bewusst provozierte änderung eines traditionellen Wertes betrifft die Freizeit, welche früher einzig der Erholung von den mühen des Alltag diente und nun durch die Freizeit­industrie einen ganz anderen Stellenwert einnimmt. Die Familie wird in diesem Zusammenhang in erster Linie als Konsumations­einheit verstanden. Das veränderte Konsum- und Freizeit­verhalten hat letztend­lich nicht nur eine änderung der Grundhaltung in Bezug auf dessen Möglich­keiten bewirkt, sondern auch einen grossen Teil zur Ausdifferen­zierung eines individu­ellen Lifestyles beigetragen.

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