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Semesterprojekte

Themenarchiv der Projekt- und Diplomarbeiten

Semester:
Wintersemester

Student:
Abel, Anna
Biechteler, Heike
Conradi, Julia
Förster, Catharina
Gieseke, Alexander
Hassenstein, Boris
Hoelzinger, Anne
Krug, Julia
Müller, Heidi
Opper, Cornelius
Przyrembel, Mark
Roloff, Yves
Schladitz, Wenke
Schneider, Christian
Schudel, Manuel
Swillus, Joachim
Wiesmann, Patrick

Studienphase:
Projekt im Hauptstudium

Professor / Lehrbeauftr.:
Prof. Eilfried Huth

Assistent / Wissensch. Mitarb.:
Jesko Fezer

Themengebiet:
Kultur/ Medien/ Kommunikation

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  • 1999. Studenten:
    Abel, Anna • Biechteler, Heike • Conradi, Julia • Förster, Catharina • Gieseke, Alexander • Hassenstein, Boris • Hoelzinger, Anne • Krug, Julia • Müller, Heidi • Opper, Cornelius • Przyrembel, Mark • Roloff, Yves • Schladitz, Wenke • Schneider, Christian • Schudel, Manuel • Swillus, Joachim • Wiesmann, Patrick
  • Projekt im Hauptstudium
  • Prof. Eilfried Huth
  • Kultur/ Medien/ Kommunikation
Semesterprojekt Architektur

RewindMETABOLISMUS

baulicher stoffwechsel in japan 1960-1970
Expo'70 in Osaka 日本万国博覧会
Joachim Swillus

Vorgeschichte der Expo-Planung
Die Entscheidung an welchem Ort die Weltausstellung 1970 stattfinden sollte, wurde 1965 vom Verwaltungsrat des BIE in Paris getroffen und fiel auf Japan, das bereits ein geeignetes Gelände besaß, das mit seinen 330 ha in Senri bei Osaka die Fläche einer Weltausstellung aufnehmen konnte.
Im gleichen Jahr bildete sich ein Komitee, das über das Thema der Ausstellung entscheiden sollte und in das auch Kenzō Tange als Architekt und Planer aufgenommen wurde.
Im Oktober 1965 stand das Hauptthema fest und lautete: "Fortschritt und Harmonie für die Menschheit".
Danach wurde ein anderes Komitee ins Leben gerufen, dem die Aufgabe zukam den Entwurf des Masterplanes in Auftrag zu geben und das Kenzō Tange und Uzo Nishiyama als Hauptplaner damit betraute, die ihren Vorschlag im Oktober 1966 lieferten. Im Januar 1967 stand Kenzō Tange als Designer für die Ausarbeitung des Masterplanes fest, der die Aufgabe hatte Richtlinien für die Struktur der Anlage aufzustellen, bei Wahrung des zugrunde­liegenden Themas, und den Entwurf des Stammbereiches zu übernehmen.
K. Tange benannte 12 weitere Architekten, denen er nach Einigung auf einen Gesamtplan spezielle Aufgaben zuteilte:

  • Toomo Fukada + Koji Kamiya :Themenhalle der Expo mit der lichtdurch­lässigen Dachkon­struktion
  • Atsushi Ueda : Bestuhlung des Festplatzes
  • Arata Isozaki : mechanische und elektronische Einrich­tungen des Festplatzes
  • Kiyoshi Kawasaki : Kunstmuseum
  • Machio Ibusuki : Expo-Theater
  • Masato Ohtaka : Haupteingang
  • Kiyonori Kikutake : Turm als Wahrzeichen
  • Koichiro Nezu : Direktions­gebäude
  • Koichi Sone : Fließband­strassen und Plätze
  • Kunio Kato : Nebeneingänge
  • Kunikazu Hikotani : Empfangshalle für Gäste

Pavillions (von links): Takara, Kodak, Ricoh - rechts hinten der 'Turm der Sonne'. Bildquelle: takato marui, flickr

Idee des Gesamtplanes und räumliche Lösung der Ausstellung
Das Thema der Weltausstellung "Fortschritt und Harmonie für die Menschheit " sollte sich ebenfalls thematisch in der Gesamtplanung der Anlage spiegeln, so der Grundgedanke.

"Das menschliche Leben ist in allen Bereichen vom modernen naturwissen­schaftlichen und technischen Fortschritt so gewaltig durchdrungen, dass es von diesem Phänomen völlig überrumpelt wurde. Viele Probleme dieser Revolution können nicht gelöst werden. Ein Blick in die Welt, die wir bewohnen, bestärkt uns in unserem Glauben, dass der Mensch Weisheit besitzt, und das Licht der Weisheit erhellt alle Bereiche, in denen der Mensch lebt. Wenn man die verschiedenen Weisheiten der Menschheit wirkungsvoll zusammenführen könnte und ein gegenseitiger Austausch möglich wäre, entstünde eine höhere Weisheit. Diese neue Weisheit würde gegenseitiges Verstehen und Toleranz gegenüber andersartigen Traditionen und harmonisches Wachstum zu einer besseren Lebensart hin ermöglichen."
(Zitat von K.Tange aus "Kenzō Tange 1946-1969, Architecture and Urban Design")

Die auf der Weltausstellung vertretenen Länder, so hofft Tange, werden durch zurschaustellen ihrer Weisheiten und Spielarten ein gegenseitiges Verständnis aufbauen und so zu größerer Harmonie gelangen.
"Und doch strebt die Expo nach mehr als einer bloßen Schausstellung der vergangenen traditionsschweren Leistungen und des gegenwärtigen technischen Fortschritts der Völker der Welt. Sie muss auch ein Fest sein, an dem sich die Menschen treffen, einander begrüssen und Gedanken austauschen. Auch muss das ganze Gebiet der Ausstellung ein Ort sein, der zur Entwicklung dieses Festes der menschlichen Harmonie beiträgt."
(Zitat von K.Tange aus "Kenzō Tange 1946-1969, Architecture and Urban Design")

Ein Fest der menschlichen Harmonie war deshalb angestebt, weil man erkannt hatte, dass eine Weltausstellung nicht mehr nur die Funktion einer Ausstellung von technisch-wissenschaft­lichem Fortschritt übernehmen brauchte, da eine derartige Demonstration neuer Erfindungen und Entwicklungen spätestens durch die Verbreitung des Fernsehens überflüssig geworden war. Deshalb wurde das Zentrum des Expogebietes zum Festplatz, auf dem sich die Völker zur Feier treffen und Erfahrungen austauschen sollten, die sie sich durch moderne Kommunika­tionsmittel nicht mitteilen konnten. Dieser Bereich wurde als überdachter Platz ausgeführt. In unmittelbarer Nachbarschaft dieses Platzes, sozusagen verbunden oder unter dem gleichen Dach, lag die Themenhalle, die das Grundthema der Expo konkret illustrieren sollte.

Räumliche Gliederung des Expo-Geländes
Das Gelände der Weltausstellung wurde durch eine Autobahn in einen nördlichen Teil, in dem die Ausstellungs­pavillions liegen sollten und südlichen Teil mit Verwaltung, Expotower sowie Spielplätze geteilt.
Tange und seine Planer entschieden sich als Verbindung zwischen den beiden Teilen den Symbolbereich zu legen, eine Fläche von 150 auf 1000 Meter.
An der Stelle, an der dieser Streifen die Autobahn überspannt, lag der Haupteingang zur Expo.
Weitere Eingänge zum Gelände lagen jeweils im Norden, Süden, Westen, Osten, und waren mit Fließband­strassen an den Symbolbereich angebunden.
Symbolbereich und Fließband­straßen zusammen bildeten die sog. Stammbewe­gungslinien.

Kenzō Tange - Expo Gesamtplan

Analogie zur Idee des Gesamtplanes
"Vielleicht vergleicht man die gesamte Anlage mit einem riesigen Baum, dann entsprechen die Pavillions wunderbaren Blüten und Früchten auf diesem Baum. Alles ist verschieden, die Vielfalt der Formen ist beinahe unbegrenzt. Aber um der Ordnung Willen sind noch Äste und ein Stamm verlangt. Legt man ihnen funktionelle, visuelle und psycholo­gische Rollen bei, dann sorgen die Symbolzone (Stamm), die Fließbandstrassen und die Plätze (Äste) für organische Struktur und völlige Harmonie. Um bei dieser Analogie zu bleiben, nennen wir diesen Stamm und diese Äste 'Stammbewegungslinien'."
(Zitat von K.Tange aus "Kenzō Tange 1946-1969, Architecture and Urban Design")

In einem solchen System angeordnet glaubten die Architekten, trotz der Vielfalt der Ausstellungsbauten, eine räumliche Harmonie und Ordnung schaffen zu können, wie es in ähnlicher Form der Kristallpalast der Weltausstellung in London 1851 getan hatte, der die Ausstellungs­räume zum großen Teil unter seinem Dach verband.

Um den Unterschied zwischen Stamm, Ästen und Früchten noch deutlicher zu machen, wurde beschlossen, dass der Stamm und die Äste farblich, sowie formal, neural sein sollten, dh. farblich die Beschränkung auf Weiß und Silber; Formal die Beschränkung auf einfache Grundformen. Die Pavillions sollten so als Früchte ihre volle Wirkung entfalten können und sich gegenseitig in Form und Farbe übertreffen.

Der Symbolbereich und das Expo-Dach
Der Symbolbereich der Ausstellung, oder Stamm, erstreckte sich vom höchsten Punkt im Süden, auf dem der Expo-Tower von Kikutake situiert war, über 1000 m bis zum Festplatz, samt dem dahinterliegenden Theater und Kunstmuseum.

Kenzō Tange - Grosses Dach des Themen-Pavillion mit Turm der Sonne. Bildquelle: takato marui, flickr

Das "große Dach" (Spaceframe) über dem Festplatz und dem Themenbereich war eine ca. 100x300 Meter messende Raumgitter­konstruktion in einer Höhe von 30 Metern und einer Höhe von 10 Metern, ruhend auf 6 Stützen. Es bestand aus einem Mero-ähnlichen System, dessen Stäbe in Profil einen Durchmesser von ca. 50cm hatten. Die Felder dieses Spaceframes waren überdeckt mit pneumatischen Kissen, die durch ihre Transparenz die darunter liegenden Ebenen ausreichend belichteten.
Aufgabe der Themenhalle war, das Grundthema der Expo konkret zu illustrieren, deshalb wurden die bestehenden Ebenen mit verschiedenen Bedeutungen belegt:
Das Untergeschoß entsprach der Vergangenheit, die den Ursprung der Menschheit darstellte, die Mystik des Lebens und die Energie, aus der die Kulturen geschaffen wurden. Hier fand sich eine Ausstellung zum Thema "Ursprünge des Menschen".
Das Erdgeschoß entsprach der Gegenwart und der dynamischen Energie des menschlichen Lebens. Das Dach stand für die Zukunft und den menschlichen Fortschritt, es verkörperte eine neue Welt "..in der die einmal getrennten Mächte der Zivilisation und Technik wieder zusammengespannt werden." (Zitat K.Tange aus "Kenzō Tange 1946-1969, Architecture and Urban Design")

Turm der Sonne, Standort in der Themenhalle sowie heutiger Standort. Bildquelle rechts: 663highland

Die aus dem Untergeschoß (aus der Vergangenheit) gewachsene Figur, der Turm der Sonne, die durch ein Loch im Dach aufstieg (über die Zukunft), und die anderen beiden Figuren, (der Turm der Mutterschaft und der Turm der Jugend) waren Werke des japanischen Künstlers Okamoto. Der Turm der Sonne versinnbildlichte den menschlichen Lebensdrang, der durch Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft schreitet.
Die Ausstellung im Obergeschoß, also im Dach der Symbolzone, sollte zukünftige Wege des Fortschrittes und der Harmonie zeigen. Dazu zählten von Kurokawa designte Raumkapseln, die in den Spaceframe eingehängt waren, der außer der Funktion als Expodach auch als Modell für eine Überbauung von bestehenden Städten gelesen werden sollte, und einen möglichen Umgang mit den Problemen der Überbe­völkerung und Raumnot in japanischer Städte darstellte (ähnlich Yona Friedmanns Vision für eine Raumstruktur über Paris).
Das Raumgerüst würde dabei die Aufgabe einer Trag-und Infrastruktur übernehmen, und sollte durch seine Neutralität und Offenheit gegenüber Erweiterungen in alle Richtungen größtmögliche Freiheit und Flexibilität für kommende Nutzungen gewähren.

Kisho Kurokawa - Capsule House im Dach . Untersicht / Schnitt / Innenansicht

Das Dach bot durch seinen strukturellen Zusammenhang den Rahmen für eine räumliche und funktionelle Verknüpfung möglicher Sekundär­strukturen. Die Art, wie die Wohnkapseln in dieses Raumgerüst ›› eingehängt waren, zeigte, wie dieses Gerüst beispielsweise ausgebaut und genutz werden konnte. Auch im Hinblick einer Überplanung zukünftiger Städte, wurde der Spaceframe lichtdurch­lässig überdeckt (Kenzō Tange wollte ursprünglich ein gänzlich unsichtbares Dach, gleich einer Wolke).
Um diese Transparenz , bei der beachtlichen Größe der Rahmenfelder von 10 x 10m zu gewährleisten, wurden (wie oben beschrieben) pneumatische Elemente gewählt, die aus mehreren Layern Polyester­folie bestanden (ursprünglich in der Landwirtschaft eingesetzt) und durch erhöhten Luftinnendruck ihre Spannung erhielten. "From the earliest stages our design group wanted to cover the Theme Space with a roof transparent enough to permit visibility of the sky and the clouds...We felt that such a roof would be of great importance to the image of the future city since it would provide an artificially controlled climate free of the unpleasantness of rains and snows."(Zitat von K.Tange aus: JA May/June 1970 s.55)
Neben den eingehängten Kapseln von Kisho Kurokawa und Koji Kamiya wurden Projekte von Archigram, Christopher Alexander, Yona Friedmann, Moshe Shaftie und Hans Hollein vorgestellt, die ebenfalls visionäre Ideen für Architektur und Städtebau der Zukunft zeigten.

Das weiterreichende Ziel für die beteiligten Planer des Expogeländes war —neben dem überge­ordneten Modellcharakter einzelner Komponenten— der Wert als experimen­telle Stadt, die nach der Ausstellung als Infrastruktur für eine neue Stadt hätte dienen sollen.

"During our work on the master plan and the trunk facilities, the group of younger workers held as a common goal the development of a kind of experimental city on the EXPO grounds.
And in fact I think we have given certain suggestions for cities of the future. The grounds represent the sudden emergence on the face of the earth of a city with a daytime population of from 400 to 500 thousand people. To meet living needs, this city is provided with eating, resting, and recreation facilities with plumbing, and all kinds of energy supply systems. In addition, the Symbol Zone, acting as the central trunk of the whole composition, is the source from which radiate moving walkways taking people north, south, east and west. In other words, the whole layout is a simulated city with an organic composition. All of us who worked on the project have given some thought to what will become of the facilities when EXPO is over. I imagine that the trunk elements can remain and that a new city can grow up in the areas where the pavilions now stand. When this happens, what is now the EXPO site, will become either the heart of a city with a population of 500 thousand or will become that city in its entirety."

(Zitat von K.Tange aus: JA May/June 1970 s.34)

Die Plaza
"Sympathie zwischen Mensch und Maschine" lautete die Idee für die Festival Plaza, die dadurch umgesetzt wurde, dass Roboter die Bühnentechnik, die akustischen Anlagen und die Beleuchtung steuerten und sie je nach Grösse der zu erwartenden Ereignisse immer wieder neu anpassten und ausrichteten.

Kenzō Tange - überdachte Festival Plaza / Arata Isozaki - Roboter des Theme Pavillion

Arata Isozaki war der verantworliche Designer für alle mechanischen und elektronischen Einrichtungen des Festplatzes.

Fortbewegung auf dem Expo-Gelände
"The increasing volume of urban spaces caused by population concentrations is continuing at an alarming rate of both speed and quantity...Parts of towns and cities that once grew outwards in sprawls are now growing upward, and the resulting frightening expansion in urban spaces has inevitably given rise to tremendous movements of things from place to place. [...]Both Tokyo and Osaka now face traffic crises..."
(K.Sone,S.Oyuki,Y.Morioka, JA May/June 1970 s.167)

Eines der wichtigsten Fortbewegungs­mittel auf der Expo waren die Fließband­straßen, oder moving walkways, sie sollten verhindern, dass die Bewegungs­freiheit auf dem Gelände in ein Durcheinander ausartet, und verbanden die Plätze mit dem Symbolbereich (Stamm), führten über weite Entfernungen bis zu den Aus- bzw. Eingängen. In eine Höhe von 5 Metern angehoben, sollten diese klimatiserten Röhren freie Bewegung auf dem Straßenniveau gewährleisten und dabei einen besseren Ausblick auf das Expogelände bieten. Diese Verkehrssysteme für Fußgänger schienen eine Lösungsmöglichkeit der Verkehrsprobleme in den japanischen Städten, und sollten auch nach der Expo zum Einsatz kommen.

Bildquelle: takato marui, flickr

Kenji Ekuan - Hochbahn als Zubringer / Seilbahn mit Kugel-Gondeln

Weitere Verkehrsmittel auf dem Expogelände waren Elektro–Taxis, für den privaten Individual­verkehr; eine Einschie­nenbahn, die schleifen­förmig um das Nordareal gelegt wurde und die Eingänge zum Gelände untereinander verband und eine Drahtseilbahn zu Sightseeing-Zwecken.

Landmark Tower
Arch. K. Kikutake
120m Höhe, konstruktiv ähnlich dem großen Dach über der Expoplaza mit außen angehängten Kugel-Raumkapseln. Funktionen des Tower: Wahrzeichen, Restaurant, Teeroom, Aussichts­plattform, Nachrichten­sender und Kontrollturm für das Gelände.

Bildquelle: Lu Dahuang, Pinterest

Kiyonori Kikutake - Landmark Tower

Kikutakes Entwurf für den Expo-Tower ähnelte sehr dem von Peter Cook entworfenen Entertainment Tower für die Expo 1963 in Montreal. Wie beim Vorbild fanden sich kugelartige Zusammen­schlüsse in der oberen Hälfte des Turms, der auch Unterhaltungs­zwecken diente. Dieser Turm wurde zu einem Beweis dafür, dass die japanischen Architekten den Mut und das technische Wissen hatten, Träume, die der westlichen Welt nur Visionen waren, in Japan Wirklichkeit werden zu lassen

Takara-Pavillion (Pavillion der japanischen Kosmetik­industrie)
Arch. Kisho Kurokawa
In ein Rahmentragwerk einer speziellen Stahlrohrkonstruktion —einem Raumgitter ähnelnd— sollten containerartigen Kapseln dort eingehangen werden, wo sie im Bedarfsfalle benötigt würden.
Diese Zellen mit den Abmessungen von 2,2 x 2,2 x 6 m, die außen mit Edelstahl verkleidet waren, nahmen in ihrer Konstellation auf der Expo die Ausstellungen der japanischen Kosmetikindustrie auf. Trotzdem waren sie im Hinblick auf eine Wohnnutzung entworfen, deren Räume durch hinzufügen oder wegnehmen von Kapseln wachsen sollte, je nach Raumbedarf seiner Bewohner.

Bildquelle: m-louis, flickr

Kisho Kurokawa - Takara Pavillion . Ansicht / Grundriss / Innenansicht

Funktional wären die Zellen als Wohnraum, Küche oder Bad ausformuliert worden, die, wie die Aircondition-Kapseln während der Ausstellung, an die Wohneinheit gekoppelt worden wären. Ein anderer Aspekt dieser Struktur waren die kurzen Montagezeiten zum Zusammenfügen der industriell hergestellten Fertigteile und ihre leichte Beweglichkeit von Ort zu Ort, die ein schnelles auf-und abbauen des Komplexes ermöglicht hätten.
"Thus the pavilion for the Takara Beautilion proposes interesting ideas for urban architecture of the future."
(Shingo Wakabayashi, JA May/June 1970 s.131)

Toshiba-Pavillion
Arch. Kisho Kurokawa
Die Konstruktion dieses Expopavillions bestand aus computergesteuert erzeugten Tetraeder­elementen, die eine Raumkuppel überspannten und trugen, in der sich ein Auditorium mit 500 Plätzen und 9 Projektionsflächen befand.


Bildquelle: takato marui, flickr

Kisho Kurokawa - Toshiba IHI Pavillion, Ansicht / Tragwerk-Detail / Schnitt

Die Bodenplatte (d=26m) der Kuppel war statisch unabhängig von der Tetraeder­tragstruktur aus 1444 Elementen, konnte innerhalb von einer Minute einmal um die eigene Achse gedreht, gehoben und gesenkt werden.
Die Größe der Tetraeder­elemente im Tragsystem veränderte sich durch den Anteil der Last, die sie zu tragen hatten.
Die expressive Erscheinung des Systems erklärte sich aus statischen Bedingungen. Neben der Kuppelkon­struktion stand ein 60 m hoher Turm aus den gleichen Bausteinen. Wie ansatzweise durch die Ballungen der Tragelemente über den Auflagern zu erkennen war, wäre die Struktur in mehrere Richtungen erweiterbar gewesen.

Fujifilm-Pavillion
Arch. Yutaka Murata
Der Körper bestand aus 16 aufgeblasenen Polyvinyl-schläuchen von 4m Durchmesser und 80m Länge, die auf kreisförmigem Grundriß einen Raum mit einer Höhe von 30m überwölbten. Die Form des Baus entstand dadurch, dass die halbkreisförmigen Schläuche nach außen, bei gleichbleibender Länge, die Form eines Hufeisens annahmen, aufgrund der kürzer werdenen Distanz zwischen den Fußpunkten des Schlauches (siehe GR).

Bildquelle: kouij OOTA, flickr

Yutaka Murata - Fujifilm Pavillion, Ansicht / Schnitt und Grundriss

Im Innern drehte sich eine ringförmige Plattform mit den Zuschauern, während von 28 Projektoren 210 mm Filme und auf das raumbildende Schlauch­gebilde projiziert wurden. Taifunsicheres Gebäude durch einen erhöhten Luftdruck in den Schläuchen bei starken Wind.

Electric-Power-Pavillion
Arch. Sakakura und Murata
"In the future the liberation of building parts from the binding frame of economics and rationality and the expansion of daily living spaces into a more abundant freer realm is certain to be one of the main topics of urban design activities...To achieve this...we have exploited the possibilities of suspension structure, which facilitates the creation of upper and lower spaces that are subject to no limitations.."
(Seizo Sakata, JA May/June 1970, s.121)

Bildquelle: takato marui, flickr

Sakakura, Murata - Electric-Power-Pavillion (rechts im Bild) / Kawaguchi - Floating Theater

Wieder beinhaltete die Konstruktion eines Pavillions die Idee des erweiterbaren Raumes, der in diesem Falle seine Freiheit dadurch erhielt, dass Tragstruktur und Raum folgender­maßen getrennt wurden : 4 Pfeiler trugen ein Dach, an das ein verspiegeltes Volumen, ein Theater mit 500 Sitzplätzen, gehängt war. Weitere Räume waren unter diesen Theaterraum, von den Pfeilern, abgehangen. Die Austausch­barkeit einer Ebene wäre also gewährleistet gewesen, weil die Last der jeweils oberen oder unteren Ebene durch Seilabhängungen horizontal über die Pfeiler abgetragen wurde.

Floating Theater of the Electric-Power-Pavillion
Arch. Kawaguchi
Zu diesem Pavillion gehörte ein schwimmendes Theater, das "Floating Theater", bei dem drei aufgeblasene Schläuche, an zwei gegenüberliegenden Punkten auf einem kreisförmigen Grundriß (23m im Durchmesser) befestigt waren. Diese Schlauchbögen trugen eine zeltartige Membran, die als Außenhaut mit einem kreisförmigen Metallrand am Boden verankert war. Im Inneren des Theaters gab es eine zweite Membran, die durch einen erzeugten Unterdruck in der Schicht zwischen der äußeren und inneren Membran dem Innenraum Form gab und das gesamte Gebilde gegen das Flattern der Luftschläuche bei starkem Wind aussteifte.

Sumitomo-Pavillion
Arch. Sachio Otani
Die 9 linsenförmigen, untereinander verbundene Körper (teils mit Plexiglas überdeckte geodätische Kuppelkon­struktionen), waren jeweils in der Luft von drei Stahlgitter­stützen getragen. Das System wäre im städtischen Gebrauch erweiterbar gewesen, indem es durch hinzufügen zusätzlicher Körper zwischen den Stützen, oder der Verlängerung der Stützen, nach oben wie zur Seite hätte fortgesetzt werden können. Im Inneren des Pavillions befand sich eine Welt der Märchen.

Bildquelle: kouij OOTA, flickr

Sachio Otani - Sumitomo Pavillion, Foto / Grundriss

Pavillion of the USA
Arch. Davis, Brody, Schwartzman
Der Pavillion bestand aus einem Erdaushub einer riesigen Fläche, der dazu verwendet wurde, eine Anschüttung elliptischer Form um den gewonnenen Hohlraum zu tätigen und so zusätzlich an Höhe zu gewinnen.

Pavillion der USA - Luftfoto und Schnitt

Diese Anschüttung wurde mit einer transluzenten Konstruktion überspannt, die aus einem flachen Gewölbe sich überkreuzender Stahlkabel bestand, das von einer vinylbe­schichteten Glasfiber­schicht überdeckt wurde. Durch höheren Luftinnendruck nach außen gedrückt, hielten die Stahlseile die Glasfiberschicht in Form.
Die Überdachung war das größte (84 x 142 m) kombinierte Luft-und Seiltragwerk seiner Zeit. Durch seine horizontale Form bewies es die in Japan nötige Taifun- und Erdbeben­sicherheit, und kam gänzlich ohne Fundamen­tierungen aus, weil das Seilgewölbe nur einen Druckring benötigte, der auf der umlaufenden Erdanschüttung lag. Im Pavillion wurden der "American Way of Life" gezeigt, sowie die Mondlandung 1969.

Zeitgenössische Kritik an der Expo
"Doch ausgerechnet Osaka, die riesige, häßliche, graue, vom Rauch verdunkelte und sich endlos dahinstreckende Industrie- und Kaufmannsstadt hat sich mit der Weltausstellung ein gleißendes Juwel angesteckt, das kaum zu Japans zweiter Metropole passen will, zumal eine der sogenannten 'new towns' von Osaka, die noch junge Großsiedlung Senri [›› Foto] mit ihrer erschreckenden städtebau­lichen Einfalls­losigkeit... der Expo unmittelbar benachbart ist. Hier also das Trostlose, die inhumanen Zwänge einer total verwalteten und immer enger werdenden Welt, und dort drüben das Wogen und Wirken von überquel­lender Architektur, die Raum und Geld in Hülle und Fülle verbrauchen konnte. Insofern weist diese Weltausstellung alleine durch ihre Lage auf das Disharmonische und den fehlge­leiteten oder mangelnden Fortschritt der heutigen urbanen Zivilisation hin."
(Zitat db 7-1970)

"The objective elements of the exposition as a whole -economical effects, elevation of the spirit of nationalism, effects on the development of the Kyoto-Osaka-Kobe region -remain hidden, and an empty theme serves as no more than an ornament for the grounds. Further, the buildings on the ground are no more than decoration for the empty theme. These hidden principles, sunk in ornamentation, wrap the whole grounds in an atmosphere of falsehood, emptiness, and sham and produce the feeling that humans are out of place there."
(Takabumi Sasaki, JA May/June 1970 S.143)

Literatur

  • Bauwelt 1970 Heft 20
  • Kisho Kurokawa "From metabolism to symbiosis"
  • Japan Architect, May/June 1970, Special Edition
  • Kenzō Tange, Paperback 1978
  • db-kaleidoskop 7, 1970
  • Baumeister 1970
  • Werk, November 1970
  • Kenzō Tange, 1946-1969, Architecture and Urban Design
  • Japan Architect, April 1969
  • Detail, März 1970

Hinweis: Die großformatigen Abbildungen auf dieser Seite sind nicht Bestandteil des ursprüng­lichen Referats, sondern 2021 ergänzt. – Zugunsten eines weiterrei­chenden Informations­gehalts gilt die Authentizität als Zeitdokument (1999) also nur unter diesem Vorbehalt.

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